Inferno!
Biketoberfest 2011 – aus Schmidtis Sicht
Einen wunderschönen Abend allen daheim gebliebenen! DAS war ein seltsames, ereignisreiches, trotzdem geiles Biketoberfest!
Die Beschreibung der Anreise und des Abendprogramms möchte ich mir diesmal sparen und nur über meine Rennen berichten. Schließlich war ja das halbe Forum anwesend!
Ich denke, da werden noch einige andere sich zu äußern. Ich fand es jedenfalls toll mit den ganzen verstrahlten Forumisti, die sich zum großen Teil im Fahrerlager zusammengefunden haben.
Also gleich zum Thema:
Die Schmidti 916 RS F10 hatte ich nach dem Festival auf die 12-Loch-Düsen umgebaut. Lui hat mir freundlicherweise sein Mapping zur Verfügung gestellt.
Er hat ja quasi exakt dieselbe Konfiguration verbaut wie ich und war schwer begeistert.
Ich leider nicht. Im ersten Training nahm Möppi bei 5000-7000 kein Gas an, um dann plötzlich einen Tritt in den Hintern zu geben und vorwärts zu stürmen. Unfahrbar.
Aus den Kurven heraus vernaschten mich 675er Triumphs auf´s Erbärmlichste. Fazit: 1:54 im ersten Training – heuuul! Die anderen Einspritzdüsen hatte ich leider zu Hause gelassen.
Also schnell das Notebook angeschlossen und Tom´s Mapping (eigentlich für 1-Loch-Düsen und 50er statt 54er Auspuff gemacht) aufgespielt und hoffen, daß es nur am Mapping lag und die Düsen nicht der Fehler sind.
Glück gehabt! Es lag am Mapping! Wahrscheinlich habe ich beim Übertragen der Daten von Hand einen Fehler gemacht, denn bei Lui läuft es ja prima.
Und wie die Mopete jetzt mit Tom´s Mapping und den 12-Loch-Düsen geht… Saaahhhneeeeee!
Ganz geschmeidig, weich ans Gas, dann linear und präzise über den Gasgriff kontrollierbar bis oben hin. Bei 9500 kann man schalten, mehr ist einfach nicht nötig. Das Teil ist ein echter Trecker!
Immer und überall steht präzise abrufbar genügend Qualm zur Verfügung. Das macht richtig Laune!
Das größte Lob kam von einem R1 Fahrer aus der Nachbarbox:“Boah, ich habe ne gemachte R1, aber wie Dein Ding aus den Ecken schiebt! Geil! Auf den Geraden kam ich nicht vorbei!“
Das komplette Biketoberfest war ausgebucht. Es war laut Wolf nicht ein Transponder mehr übrig.
Daher mussten wir 11 BEARS-Fahrer zusamen mit der Superbike Open und Superbike B starten. Allerdings wenigstens mit je eigener Wertung.
Schon im 2. Training lief alles sehr zufriedenstellend für mich. Eine 1:39, die ich im 3. Training dann noch auf eine 1:38 verbessern konnte. Mein persönlicher Rekord war 2010 im Rennen eine 1:37.
Also alles prima! Bis ich die Startaufstellung sah: Startplatz 28! Die erste Startreihe lag zwischen 1:30:685 und 1:31:633. Heidewitzka… doch kein Kindergeburtstag hier???
Race 1:
„We´ve been training for years
Now we´re ready to strike
As the great operation begins…”
Ich habe schon lange nicht mehr so viele Moppeds beim Start vor mir gesehen. Die Ampel geht aus, ein echtes Inferno brennt los! Vor mir steigen die Moppeds hoch, die 916 bäumt sich ebenfalls wild auf,
ich verliere gleich ein paar Plätze, die ich in der ersten Rechts aber außenrum wieder teilweise gut machen kann. Wie durch ein Wunder kommen alle heil durch.
In der Hasseröder wieder hektisches Gedrängel wie bei Kik im Schlußverkauf an der Unterwäsche-Krabbelkiste. Nur daß die hier alle Helme statt Kopftücher tragen.
Die Ampelanlage auf der Gegengeraden zeigt plötzlich rot, gelbe Flaggen werden geschwenkt. Was nu? Abbruch? Doch ein Startunfall oder Massencrash hinter mir?
Wir fahren nochmal um den Kurs, nirgends sehe ich ein gestürztes Mopped. Die Auflösung folgt in der dreifach-Links. Ein Fahrzeug hat massenweise Kühlflüssigkeit auf der Ideallinie verteilt!
EIN Fahrzeug? Nein! Nicht IRGENDEIN Fahrzeug! Das PACECAR steht mit geöffneter Motorhaube qualmend in der Rechts! Sowas haben wir, glaube ich, alle noch nicht erlebt!
Das Rennen wird auf 10 Minuten verkürzt und neu gestartet. Im Gewusel muß ich mit mulmigem Gefühl in der ersten Runde über die Bindemittelspur, obwohl alle anderen drum herum fahren.
Peter Ackermann sprach mich heute drauf an und meinte, er hätte mich vor seinem geistigen Auge schon da liegen und die Kollegen abräumen gesehen. Aber wer nichts wagt, gewinnt auch nichts!
Ich habe zwar einen langen, geilen 4-Kampf mit BMW, Gixxer, R1 und was weiß ich noch. Aber ich komme nicht daran vorbei. Gegen Ende merke ich, wie die Jungs abbauen, Fehler machen.
Ich greife mehrmals an, komme an dem einen oder anderen vorbei. Meistens aus dem Shell EssEss heraus auf der Bremse in die Rechts. Ende Start-Ziel bremse ich dann aber leider wieder zu früh
und verliere den Platz wieder. Einen hole ich in der Hotelkurve außen rum und hoffe, ihn so gedemütigt zu haben, daß er sich geschlagen gibt. Leider ein Trugschluß. In der letzten Runde setzt der
vor mir aus dem Shell-EssEss auf der Bremse gegen seinen Vordermann an. Beide beschäftigt und ich versuche, die Situation zu nutzen und beide gleichzeitig innen auszubremsen.
Leider klappt das nicht, ich reihe mich wieder hinten ein und es wird abgewunken. Mein Gefühl, daß ich aufgehalten wurde, bestätigt sich. Meine schnellste Rennrunde war eine 1:41.
Platz 7 und somit pokallos bei den BEARS
So wird das nichts, Schmidti! Im 2. Rennen darfst Du den Start nicht vergeigen und mußt konsequenter mit all deinen Gegnern umgehen – egal ob Japaner oder nicht, wenn Du in der BEARS was erreichen willst.
Der „Flow“ beim Fahren reicht hier nicht… da muß der Berserker-Modus eingeschaltet werden.
Race 2:
Vorstart, die Reihen werden vom Flaggenmann los geschickt. Ich schaue auf den Drehzahlmesser und schalte durch. Plötzlich rutscht ein Motorrad vor mir die Gerade herunter.
Der Fahrer sitzend auf dem Hosenboden seitlich versetzt hinterher. Er muß beim Wheelie abgestiegen sein. Anders kann ich es mir nicht erklären.
Einer weicht links über den Grünstreifen schlingernd aus, ich ziehe rechts vorbei. Doch was ist das? Vor mir bremst eine Ducati heftig ab, die eigentlich schon an der Gefahr vorbei ist. Ach Du Scheeeiii…!
Ich bremse, löse die bremse instinktiv wieder und gehe noch weiter rechts dran vorbei. Hat der sie noch alle? Der kann doch hier nicht einfach ANHALTEN!
Die Zuschauer berichten später, daß der Typ wirklich stehen geblieben ist und dann im Stand mit seinem Motorrad umgekippt und liegen geblieben ist.
Die Streckenposten mussten sich also darum auch noch kümmern. Was er hatte, weiß ich nicht. Schock? Irgendetwas abbekommen? Keine Ahnung.
Jedenfalls wieder Rennabbruch und Neustart, verkürzt auf 15 Minuten.
Dasselbe Spiel also nochmal. Ich ärgere mich wieder mit den Japan-Kollegen und BMWs aus dem ersten Rennen herum, gehe aber konsequenter vor. Sie machen gegen Rennende wieder Fehler.
Die Kondition scheint am Ende. Die in unserer Gruppe führende Maschine verbremst sich in der Rechts vor der Start-Ziel Geraden und fährt in die Wiese.
Ich selbst hangel mich mit viel Glück in der Rechts vor der Gegengeraden so eben an nem Highsider vorbei.
Nina und Harald überrunden uns, ich hänge mich einfach dran und überhole unter blauer Flagge die R1 vor mir. In der Box entschuldige ich mich dafür anschließend beim Fahrer, der aber zugibt,
an mir dann auch nicht mehr dran bleiben zu können. Am Ende steht eine 1:38:2 hinter meinem Namen. Von den verbliebenen 9 BEARS Fahrern stürzen 4 und ich komme als 5. ins Ziel.
Hmmm, ist das nun unehrenhaft? Ich denke nicht, denn vielleicht fuhren sie schnellere Rundenzeiten, aber die, die ins Ziel kommen, haben nunmal weniger Fehler gemacht und sind somit das bessere Rennen gefahren.
Meine Schmidti 916 RS F10 ziert also nun ein Pokal und ich bin stolz darauf!
Ein tolles Rennwochenende!
Ben, Dir möchte ich noch sagen, daß wir alle traurig waren, daß Du nicht dabei sein konntest! Viele haben mich gefragt, ob ich was gehört habe, ob Du wenigstens zum Zuschauen kommst.
Du hast hier mit dem Forum eine geile Truppe zusammengetrommelt!
Allen gestürzten wünsche ich gute Besserung und daß Ihr und Eure Moppeds spätestens zum Saisonanfang 2012 wieder fit seid! Schließlich müssen wir das öfters machen!!
Vielen Dank all den helfenden Händen, ohne die ich nicht alleine klar gekommen wäre!
Bollergruß,
Armin


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