German TT in Schleiz 2011 aus Schmidtis Sicht
Schleiz 2011:
Mein Culloden!
Mein Waterloo!
Mein Stalingrad!
Mein Vietnam!
Anders kann ich mein bisher schwärzestes Rennwochenende nicht beschreiben.
Franky Chili mag ja der tragische Held der Superbike WM sein... aber ich kann tragischer
Der Reihe nach…
Vor einigen Tagen sinnierte ich, ob ich die Hobbyrennerei, das Moppedfahren und alles drumherum nicht aufgeben soll, weil mir irgendwie der Spaß daran abhanden gekommen ist.
Alles verkaufen und etwas neues beginnen. Ein neues Hobby.
Jemand sagte mir, ich sei einfach satt. Das sei der Grund für meine derzeitige Sinnkrise.
Darüber habe ich viel nachgedacht. Ich wollte es nochmal wissen und am wunderschönen Schleizer Dreieck bei der German TT in der Pro Thunder starten.
Einfach, um den Spaß am fahren, racen, fighten wieder zu finden und die Enttäuschungen der letzten Monate zu vergessen. Den Kopf wieder klar bekommen.
Nach dem Wochenende würde ich sicher wieder in der Spur sein, so der Plan.
Wie es halt so ist, wird das Mopped vor dem ersten Rennen der Saison erst auf den letzten Drücker fertig. Ich hatte 2 Wochen Urlaub damit verbracht, eine Airbox selbst zu basteln,
die Einspritzanlage zu ändern, Tanks und Benzinpumpen tauschen und abdichten, dieses und jenes zu machen und aus meiner Sicht zu optimieren.
Anschließend kam die Schmidti 916 RS F11 nach Hannover zu Befaster um auf dem Prüfstand mittels Powercommander abgestimmt zu werden.
Zwar hat sich das alles etwas verzögert, aber die Jungs haben sich bemüht, aus meiner Eigenbaugurke das Beste heraus zu holen. Nichtsdestotrotz war das Ergebnis ernüchternd.
Die Prüfstandskurven habe ich noch gar nicht hier zum einscannen, die liegen noch bei RPR-Ralf. Es waren aber so um die 142 Hinterrad-PS/150 am Motor und 112 NM.
Die Erklärung soll in den Zündzeitpunkten des 998S Steuergerätes liegen, das nicht mit dem 1098 Motor harmoniert. Das ist mittlerweile aber ohnehin alles Geschichte.
In der Tat klang der Motor mit der großen Einspritzbrücke rau, hart, metallisch.
Naja, Freitag musste ich bis mittags arbeiten und beauftragte Robert, bei Polo eine neue Kette für eine 998S zu besorgen, weil meine wohl nicht mehr frisch sei.
Aus Zeitgründen sollte sie erst in Schleiz montiert werden. Also vor Ort alte D.I.D- Kette trennen, neue RK Kette aus der Packung nehmen…
Ich gucke noch mal auf die neue Packung, 525, 94 Glieder. Hmmm, sind das nicht sonst...?
Neue Kette drauf... AAAAAAAAARRRRGHHH! ZU KURZ!!! Serienkette, aber ich habe ja ein 38er statt 36er Kettenrad!
Also den halben Vormittag durch´s Fahrerlager fragen, wer Glieder für ne 525er RK Kette hat. Keiner.
Okay, Plan B: 1000 Leute gefragt, ob man ein sauber getrenntes Schloß nochmal neu vernieten und die alte Kette weiter verwenden kann.
Von: "Klar, habe ich schon oft gemacht!" bis:"Wenn Du Dich ganz grausam umbringen möchtest, mach´s. Sonst nicht!" war so ziemlich jede Meinung dabei.
Also sicherheitshalber neues Kettenschloß für die alte Kette besorgen und wieder drauf.
Wieder 1000 Leute nach nem 525er DID Schloß gefragt. Am Truck des KTM Werksteams gab man mir eins und wollte nichtmal Geld dafür haben! Super!
Hab mich bedankt und gesagt, mein nächstes Mopped würde bestimmt ne KTM.
Nochmal drauf geschaut, ARRRRGGGHHHH! Ist ein 520er Schloß, ich habe aber eine 525er Kette! Also doch keine KTM kaufen.
Ein Racerkollege aus meiner Klasse hatte dann aber wirklich eins und wir konnten die alte Kette neu vernieten.
Der Preis war jedoch hoch. Er wollte 5 € und, daß ich ihn im Rennen einen Platz vor lasse. Heimlich hatte ich aber für mich beschlossen, das Schloß nur zu leihen und nach
dem Wochenende zurück zu geben. Kann man ja mehrmals verwenden. Harharhar.
Jedenfalls konnte ich mittags die alte Kette neu vernieten und mein Mopped hatte wieder einen Antrieb. Super!
Viel Arbeit und Streß für nichts.
Erstes Training. Mopped klang etwas rau und ich hörte ein Pfeifen. Das hatte Bollek aber auch und hat seinen Motor mehrfach auf und wieder zu gemacht.
Alles in Ordnung. Also ging ich davon aus, daß 1098 Motoren pfeifen müssen. Ich konnte es auch nicht richtig lokalisieren. Hätten ggfs. auch Ansauggeräusche sein können.
Die Verkettung (hahaha, lustiges Wortspiel nach der Kettengeschichte, nääch?) der unglücklichen Umstände nahm ihren Lauf…
Mein Cockpit war ja nach dem Prüfstand total ausgefallen und ich hatte weder Wassertemperatur- noch Öldruckanzeige oder Drehzahlmesser…
Die Sicherungen waren alle in Ordnung, den kleinen Kabelbaum vorne hatte ich komplett getauscht. Kein Erfolg. Cockpit tot. Das sollte sich später als fatal herausstellen.
Die ersten Rundenzeiten waren ziemlich mies, obwohl ich mich eigentlich ganz gut fühlte. Was um die 1:50… 2009 bin ich da noch 1:41 gefahren.
Aber ich brauche manchmal ja etwas länger, um in Schwung zu kommen.
Im 2. Training wurde es dann aber wirklich seltsam. Mich überholten so komische Geräte wie aktuelle Fireblöd, 998S, 999, Mille einfach so auf der Geraden. Irgendwie schien die Leistung zu fehlen.
Und dann ging´s los:
Die Seng runter konnte ich voll am Gas bleiben und wurde nicht schneller. Aus der Spitzkehre kam ich nur noch mit Restschwung und sah plötzlich das Kühlwasser aus meiner 0,3 l Auffangflasche
blubbern. Bloß runter von der Ideallinie am rechten Streckenrand so weit wie möglich rollen lassen und dann in der Wiese abstellen, Zähne zusammenbeißen und warten, bis das Training vorbei ist.
Ich glaube, wenn der Motor in der Seng festgegangen oder Wasser/Öl aufs Hinterrad gekommen wäre, wäre es das gewesen. Die finden einen da bestimmt nicht wieder.
Der Besenwagen brachte mich dann zurück und wir haben mein Motoröl abgelassen. Alles voll von feinem, silbernen Feenstaub und so einige größere Späne an der Ablaß-Schraube.
Der Motor ließ sich im 4. Gang von Hand kaum drehen. Erster Verdacht: Zahnriemen gerissen. Doch die waren in Ordnung.
Also Nockenwellendeckel runter, Nockenwellen raus. Lager und Wellen eingelaufen.
Mist. Zylinderkopf runter, Ventile alle in Ordnung.
Zylinder runter, Riefen drin, Kolben ebenso. Die Kolbenringe waren jedoch ganz. Muß also ein Span durch gegangen sein.
Danach haben wir den Kolben vom Pleuel genommen. Man kann das Pleuel in alle Richtungen bewegen. Also Pleuellager kaputt.
Die Kurbelwelle hat seltsame Schleifspuren und es scheint sich ein Metallstopfen aus der Welle gelöst zu haben.
Heute habe ich nochmal in Ruhe in den Motor geschaut, ihn aber noch nicht komplett zerlegt. Das in Fahrtrichtung rechte Kurbelwellenhauptlager ist quasi nicht mehr vorhanden.
Zumindest sehe ich nur noch wenige Kugeln. Im Gehäuse liegt Plastik, vermutlich der Lagerkäfig.
Ich bin mir noch nicht klar über die Ursache.
Ölpumpe defekt?
Kurbelwellenstopfen raus gewandert?
Hauptlager defekt?
Was war zuerst? Die Henne, oder das Ei?
Samstag habe ich echt wie nen Häufchen Elend da rum gesessen und hätte am liebsten geheult... Das Wochenende, von dem ich mir so viel erhofft hatte, lag in Trümmern vor mir.
Und in 3 Wochen ist Festival Italia mit Franky Chili.
Sonntag habe ich dann morgens meinen Transponder abgegeben, obwohl mir Daniel und Robert anboten, mit ihren Moppeds zu fahren. Dorle und Wolf hatten wohl auch Mitleid
mit mir und boten mir an, eine Durchsage im Fahrerlager zu machen, ob jemand einen Motor verkauft.
Ich habe echt hin und her überlegt, was ich machen soll.
916 mit kaputtem Motor in die Wohnung stellen? Kann´s ja auch nicht sein!
Rumstehen lassen und irgendwann mal reparieren?
Meine SS verkaufen?
Zweiventiler erstmal liegen lassen?
Zweiventiler aufgeben?
Alles aufgeben?
War das nun ein Zeichen, wirklich aufzuhören.
Bin ich wirklich SATT?
NEIN!
Sonntagmorgen hab ich das Handy aktiviert und ein polizeibekanntes Forumsmitglied angerufen. Er hat einen Motor für mich! Heute habe ich definitiv zugesagt.
Die 916 steht auf der Bühne, der neue Motor kommt rein und das Festival Italia kann kommen! Und wenn Franky Chili mich 3 Mal überrundet.
Ich kann immer sagen:“Mit dem bin ich auch schon Rennen gefahren!“ Das kann mir im Leben keiner mehr nehmen!
Außerdem habe ich die ultimative Ausrede, wenn er mich doppelt und dreifach versägt, denn:
ICH MUß JA ERSTMAL MEINEN NEUEN MOTOR EINFAHREN :-D
Nach dem Festival Italia Wochenende bin ich wieder in der Spur![]()
Garantiert!
Es geht weiter! Stay hungry!
Bollergruß,
Armin


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