Biketoberfest 2010 – aus Schmidti`s Sicht
Liebe Rennsport-Interessierte,
das Biketoberfest 2010 ist Geschichte, die Saison für mich vorbei. Und es war ein toller Abschluß!
So ein geiles Wochenende hatte ich schon lange nicht mehr!
Nach stauintensiver Anreise bezog ich am Freitag die lustige Doppelbox mit verstrahlten Racern und Teams aus der gesamten Republik und allen Klassen.
Das zwar nachts kalte, aber ansonsten wunderschöne Wetter war das I-Tüpfelchen bei diesem Event.
Es wurde viel sinnvolles Zeug ernsthaft bei leckeren Hefeteilchen der Konditorei Chrom-Bacher diskutiert. Flaschenweise Geschlechtsverkehr verzehrt.
Nur ich hielt mich - im Rahmen meiner Möglichkeiten – fern vom Alkohol.
Die Trainings verliefen für mich ganz okay, aber zufrieden ist man mit seinem Ergebnis ja eigentlich nie.
Ich glaube, ich hatte Startplatz 11 in der Sound of Thunder / BEARS.
Sound of Thunder – diese Klasse, in der ich ehrfürchtig schon einige Male mitgefahren bin, sollte an diesem Wochenende sterben.
Die Ehre, bei der Beerdigung dabei sein zu dürfen, wollte ich mir nicht nehmen lassen.
Ebenso, wie die (Wieder)Geburt der BEARS.
Einmal im letzten Rennen einer Klasse zu starten und im ersten einer Neuen – das hat schon was!
Praktisch, daß das alles gleichzeitig stattfand.
Rennen am Samstag: Ich komme seeeehr gut weg beim Start und mache einige Plätze gut. Etwas heikel wird es, weil Stefan Merkens auf der 999
stehen bleibt und wir uns irgendwie dran vorbei quetschen müssen. Enge Sache das, aber dank übersichtlichem Starterfeld (16) geht alles glimpflich ab.
Da liege ich also recht gut im Rennen und sortiere mich in einer 4er Gruppe ein. Jungs, was hat das Spaß gemacht! Alle dicht beieinander, kommt es immer wieder zu Fights.
Mist, der Sack mit der gut gehenden 1098S beschleunigt mich auf der Geraden aus.
Ha! Aber den Speed muß er auch wieder einfangen – verbremst! Ällabätsch, ich ziehe dran vorbei. Oh, eine RSV4 – Scheiße, muß das Ding handlich sein!
Der kann ja die Linie korrigieren, wie er möchte! Und dabei immer der heiße Atem von 4 Rennpferden um mich. Brrooooooop…braaaaaammm…mooooooaaaaa… geil, geil geil!
So geht das rundenweise hin und her, ich nehme noch einen dicken Schluck aus der körpereigenen Adrenalinproduktion und schalte in den Berserkermodus.
Nicht denken, einfach automatisch funktionieren und fahren. So gefalle ich mir.
So ein geiles Rennen habe ich schon lange nicht gehabt!
Letztendlich war es leider nur der 11. Gesamtplatz. Beide Klassen wurden zusammen gewertet und somit kein Pokal für mich drin.
Ein bisschen traurig war ich schon, denn ich hatte in der SoT noch nie was gewonnen und dieses WE würde ja die allerletzte Chance sein.
Trost bekam ich beim Blick auf die Rundenzeiten. Stand da doch glatt eine 1:37:8 hinter meinem Namen! So schnell war ich noch nie!
Und so was klappt bei mir auch meist nur, wenn ich gezogen werde. Und das wurde ich!
Die Siegerehrung im Festzelt ist schnell erzählt. Nix besonderes ist passiert an diesem Abend.
Okay, da war diese gepiercte Dame. Für jemanden mit Nickelallergie wäre die sicher nix… da hätte man bestimmt überall Pusteln bekommen.
Aber ich fand sie nett, denn sie kam spontan mit einem Kümmerling zu mir und wir tranken die eine oder andere Runde zusammen.
Später stellte sich mir höflich ein junger Mann als ihr Freund vor und meinte, ich sollte das mal lassen.
Ja, Moment mal! Die hat doch angefangen! DIE hat MICH doch zum Kümmerling eingeladen!
So genau kann ich mich jetzt an die Unterhaltung aber auch nicht mehr erinnern.
Irgendwann ging ich halt pennen. Toll! 1:37 gefahren und trotzdem keine kennen gelernt. Was mache ich nur falsch?
Der Sonntag fing nicht soooo schön an. Ich musste mir irgendwas gefangen haben. Anders kann ich mir die Kopfschmerzen nicht erklären.
Das erste Training bei ca. 2 Grad wäre eh doof, also blieb ich im Bett. Stefan C. wurde im ersten Warm-Up auch prompt abgeschossen. Schöner Mist.
Im Rennen bin ich dann auch ziemlich neben der Spur. Im wahrsten Sinne des Wortes!
Der Start klappt so mittelmäßig. Aber ich merke schnell, daß ich der RSV4 nicht folgen kann und muß abreißen lassen. Ich merke selbst, daß ich nur rum eier.
Nach ein paar Runden schaue ich mich auf der Geraden vor der Hasseröder um. Weit und breit niemand hinter mir zu sehen. Die Unterarme schmerzen,
das Kuppeln und Bremsen fällt mir von Mal zu Mal schwerer. Ich schaue mich nun jedes Mal vor der Hasseröder um – niemand hinter mir. Und da fängst Du an zu grübeln!
Du fährst viel zu beschissen, als daß noch jemand hinter Dir sein könnte. Du bist LETZTER! Dir wird die Schmach der Überrundung zuteil werden!
Ich verkrampfe immer mehr, bediene die Kupplung nicht mehr aus der Hand, sondern ziehe den ganzen Arm nach hinten.
Klappt beim Bremsen nur, wenn man sich dabei mit dem Bauch am Tank abstützt so einigermaßen.
Blaue Flagge! Scheiße, scheiße, scheiße, ich werde überrundet! Wer kommt denn da nun alles? Kitsch alleine? Kitsch mit Merkens und Schädel im Kampf?
Oha, da müsste ich dann ja Platz machen.
Hmmm, ich glaube, ich drehe mich noch mal um vor der Hasseröder. Blick über die linke Schulter. Ach, ist nur der Kitsch alleine… nanu, was wackelt denn hier so?
Muß ich doch mal wieder nach vorne schauen. Huch! Hier ist aber viel Gras auf der Strecke! Seit wann sind die Leitplanken denn so nah? Und wieso ist die Strecke so weit links?
Waaaaaaahhhhh! Ich bin NEBEN der Strecke im Gras!
Auf der Geraden kommt man halt schnell mal von dem nur ca. 7 m schmalen Asphaltstreifen ab. Das passiert schnell mal!
Hoppeldipoppeldibobbeldihop…gnagnagnagagagagaga… das ist schneeeellll! ZU schnell!!! Leitplanken! Auf meine Instinkte kann ich mich aber scheinbar auch mit Kater noch verlassen.
Ich bremse nicht, denn das wäre in der Wiese der sichere Sturz. Kupplung ziehen, laufen lassen und auf nach Walhalla. Langsamer wird man dabei allerdings kaum.
Irgendwie komme ich eingangs der Hasseröder wieder auf den Asphalt.
Reifen dreckig, Hose randvoll, Arme schmerzend, unkonzentriert aber im absoluten Adrenalin-Rausch kann ich das Rennen fortsetzen und die Fuhre irgendwie heile bis ins Ziel bringen.
Hat so´n bisschen was von Bruce Dickinson´s „Silver Wings“:
The sky is bleeding gasoline and fuel is running low
Tanks are blown to pieces soon the wing is going to go
All the crew have bailed out over Essen long ago
But every night since 45 this bomber boy has stayed alive
I can't believe she's still in the sky
Me and my merlins fly
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In der Boxengasse muß ich fast vom Mopped operiert werden. Meine Handschuhe bekomme ich nicht alleine ausgezogen. Keine Kraft in den Armen.
2 Wochen vorher bin ich noch den Bördesprint gefahren und habe eine Stunde am Stück gut verkraftet. Seltsam.
Soeben bin ich das MIESESTE Rennen meines Lebens gefahren!Das ging gar nicht, was ich da gemacht habe! Ich kann es kaum glauben, als mir Michael sagt, ich sei nicht letzter geworden.
Wahrscheinlich 9.
Nein, nein, das sagt er mir nur, um mich zu trösten!
Doch er hat Recht! Obwohl meine schnellste Runde nur eine 1:41:6 war, bin ich noch 9. geworden. Okay, 2 von den 16 nicht gestartet, weitere 2 nicht ins Ziel gekommen.
Letzteres wäre mir auch fast passiert.
Und was bedeutet das? Hey! POKAAAAL! Pokal im allerletzten Rennen der Sound of Thunder!!! Ich könnte fast heulen vor Freude! Ich habe es doch noch geschafft! Im miesesten Rennen meines Lebens!
Was für ein geiles Wochenende! Persönlich beste Rundenzeit, geile Fights, lustige Abende mit verstrahlten Forumisti, magnetische Frauen und die allerletzte Chance auf einen SoT-Pokal genutzt.
Fotos habe ich noch keine, die hat Michael gemacht und er ist mit seiner Familie von Oleben weiter in den Urlaub gefahren. Wenn ich sie habe, reiche ich sie nach.
Bollergruß,
Armin



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