Nach vier Jahren ohne einen Fuß in das schönste (von mir bis jetzt bereiste) Land der Welt zu setzen war es nun wieder soweit.
Italien musste für einen Kurzurlaub her. Nur einen Grund benötigte ich noch um den Urlaub mir und den Menschen um mich herum verkaufen zu können.... Achja Ben heiratet ja. Prima. Bekommt er nen Besuch in Bologna im Werksmuseum. Hab ich gleich noch wen der mitkommt.
Gesagt getan. So verlief der Sommer so vor sich hin, ich schrieb sagenhafte 13 Klausuren in nicht ganz 4 Wochen und danach lagen erstmal die Planung eines Jungesellenabschieds und der Besuch auf besagter Hochzeit an. Ansich zu wenig Zeit um sich etwas tolles zu planen.
So setzte ich mich ca zwei einhalb Wochen vor Abfahrt mit meinem Daddy zusammen (der mir damals mein erstes Italien-Motorraderlebnis schenkte - Eine Mitfahrt bei der Milano-Taranto). So hies das Ziel der Wahl Dolomiten mit Abstecher in Bologna.
Nach Vollendung der Planung sah es wie folgt aus. 6 Tage inkl An- und Abreise mit dem Auto (also 4-4,5 Tage Motorrad fahren). Leider sagte Ben dann ab und wir fuhren zu zweit los. Bologna liesen wir ausfallen, weil das geschenk will ich mit Ben irgendwann einlösen und die Fahrerei nur fürs Museum kann man sich auch zur Not sparen. Denn Autobahnen sind in Italien nicht nur genauso langweilig wie hierzulande, nein sie kosten auch Geld. Zumindest die, die eine breite Schranke haben.
In der Zwischenzeit hatte mein alter Mann noch ein Buch mit Touren für Norditalien besorgt "Die schönsten Motorradrouten Norditalien".
Wir entschieden uns für Tour 1 als Grundlage. Umbauen kann man das ja spontan. Hotels / Bed & Breakfast wollten wir spontan vor Ort suchen. Das klappte damals auf der Rückreise von Taranto auch prima.
Nun reisten wir am ertsten Tag gegen 20:00 in Aosta oberhalb von Turin an. Dort startete die Tourbeschreibung. Das Auto inkl. Ben´s Anhänger blieben dort stehen. Für die Nacht fanden wir nur noch ein recht mieses Hotel mit wenig Charme aber zwei Betten. Sollte wohl irgendwie reichen. Das für Italien zu teure Restaurant nebenan, welches wohl zum Hotel dazu gehörte bot mittelmäßige Pizza mit sau teurem Bier. Naja egal.
Tag 1 - Sanfter Enstieg mit erster Achterbahn
Am Morgen stellten wir das Auto sowie den Anhänger oberhalb von Aosta auf einen kostenfreien Parkplatz ab. Der Hänger wurde angekettet, weil die Italiener ja gelegentlich schlimmer klauen als der ganze Ostblock.
Die beiden Rösser gesattelt ging es dann los in Richtung Ivrea. Dies sollten wir aber nur kurz streifen um über Courgnè nach Viù zu fahren. Bis kurz vor Viù ist die Strecke recht lahm. Um sich aber ein wenig ein zu fahren eigentlich genau das Richtige.
In Viù haben wir dann erstmal vor einer großen Pinocchiofigur aus Holz einen Espresso geschlürft.
Von Viù aus ging das erstmal bewusst in eine Art Sackgasse. Diese finden sich in der Gegend häufiger, da manche Passstraßen einfach nie zuende gebaut wurden. Einen kleinen Abstecher sind sie dennoch wert. Die Qualitiät der Straßen ist zwar meist nur so lala aber dafür ist die Landschaft schon der Hammer.
Vom Pass wieder unten gings Richtung Condove über den "Col de Lys". Dies stellte die erste richtige Passfahrt dar und führte hoch bis auf 1311 Meter. Die Straße ist Ducatifreundlich und verleitet dazu es mal so richtig fliegen zu lassen. Haben wir auch. Oben angekommen war meinem alten Mann und mir das Grinsen ins Gesicht gemeistelt. Adrenalin bis unter Dach. Geil. Mehr davon. Sofort.
Runter gings etwas enger aber auch zügig. Es machte mörder Spaß. Von Condove aus ging es nach dem ersten richtigen Tankstopp auf Richtung Susa um dort über den "Col de Finestré" zu fahren. Leider ist das Buch auch für Leute mit Enduros gemacht. Der kleine aber süsse Pass schraubt sich SAUENG den Berg hoch. Der schiere Wahnsinn und mega anstrengend. Mein Navi zeigte mir unten nach der ersten Serpentine die mal so gerade in den Wendekreis von mir und meiner 916 passte noch ungelogene 30-40 weitere davon an.
Oben angekommen gabs dann zur Belohnung ne Ernüchterung. Die Straße war zuende. Zumindest für uns. Den Jungs war wohl das Geld ausgegangen und man beließ es bei einer Schotterstraße. Nun denn wieder runter. Ein Glück dass so eine Ducati Handgelenk freundliches Fahren zulässt.
Von Condove über Susa vorbei landeten wir in einem kleinen Bed & Breakfast Hotel. Dort schraubten wir das erste mal. Aber nicht weil wirs mussten sondern nur einmal putzen und schauen ob alles gut ist. Ich ging dazu noch auf der Suche nach diesem Geräusch, dass meine Madamme schon seid dem Neuaufbau macht. Es taucht nur bei bestimmten Drehzahlen auf und klingt wie eine Unterlegscheibe, die fröhlich auf einem Gewinde rumtingelt. So isses wahrscheinlich auch aber ich habs nicht gefunden. Naja egal.
Wir stellten die Damen ab, duschten und gingen was Essen. Ein Bier gabs zuvor schon aus dem örtlichen Supermarkt. Das Essen war der knaller. Ein Pizza wie sie besser nicht sein konnte. Und da wir beiden Gierlappen nicht genug bekamen noch ne Runde Bruschetta dazu. Hmm lecker. Naja und den kleinen Liter Vino Rosso natürlich.
Tag 2 – Geiles Essen, Geile Strecken
Am Folgetag sollte es nun weitergehen. Wie ganz genau wussten wir noch nicht. Am liebsten bis runter an die Cote d´azur. Wir wollten schließlich mal ins Meer hüpfen.
Nun denn. Von unserer Schlafstätte ging es Richtung Perosa über Pinerolo bis nach Sampeyre. Das ganze Stück lohnte sich schon wieder sehr. Zu Beginn fuhren wir hoch in Skigebiete über die normalen Landstraßen. Die heissen hier SP. Natürlich steht dies nicht für Strada Provinziale sonder für Sport Production. Das is ja auch der Grund warum man das hier krachen lassen muss ☺
In der Nähe von Sampeyre hielten wir mal wieder inne. Kleine Espressostopps lasse ich hier mal aus. Wobei der ein oder andere zu erwähnen wäre. Meist wegen des Espressi, manchmal aber auch weil die Bedienung so "exzellent" is.
Bei unserer Pause trafen wir auf zwei deutsche BMW Fahrer. Und was soll ich sagen. Beide ein wenig schräg drauf und sie ließen die Vorurteile gegen Ducatis aufheben. Beide BMW´s hatten Defekte. Die eine nen Anlasserschaden, wesswegen man bei 350 KG plus Fahrer den Bock nicht mal anschieben konnte und immer mit laufendem Motor tanken oder an einer Schräge halten musste und der andere mit leckendem Tank. Tja so ne BMW is halt nen echter Scheißhaufen. Es geht halt nix über ne solide Ducati, die vor und nach solch einer Tour die Rundumpflege braucht.
Von dort aus weiter folgten wir dem Rat unseres Buches doch mal auf den „Col dell´Agnello“ zu fahren. Dieser schraubt sich auf 2746 Meter hoch und ist einfach der Hammer. Man kann zwar nicht schnell fahren aber es macht einen mörder Spaß.
Oben angekommen ist die Aussicht sehr geil und man steht auf der Grenze zwischen Frankreich und Italien.
Wir entschließen uns auf der französischen Seite herunter zu fahren. Ortsangaben kann ich hier leider nicht mehr machen, weil ich hier nicht mitgeschrieben hab.
Auf jeden Fall fuhren wir in Richtung Meer. Ziel war Menton.
Die Französischen Seealpen sind in Sachen Motorradfahren noch mal um einiges geiler als das was Italien zu bieten hat. Berge und Kurven über Kurven. Muss man mal gemacht haben. Genauso wie ne 916 besessen, nen Motor zerstört und nen Kind gezeugt zu haben. Macht echt Laune.
Leider stellte sich heraus, dass auch die Franzosen Straßen als Straßen kennzeichnen die keine sind. Auch mein Navi wollte mir sagen, dass Schotterpisten genau das sind was ich gerade suche. Nein waren sie nicht. Dies begrenzte sich aber auf das Gebiet um Isola.
Zu schnell Fahren sollte man hier übrigends nicht so sehr wie in Italien. Zwar sind die Strafen kaum teurer als in Bella Italia, aber es stehen 1000 mal mehr Blitzer in der Gegend rum, sowie Autos in denen kleine, hässliche Menschen sitzen.
In Italien habe ich während der Zeit 2 Blitzer gezählt. Sowie eine weitere defekte BMW am Straßenrand.
Geschlafen haben wir in "Sankt André les Alpes" einem kleinen Hotel mit lecker Restaurant. Hier gabs auf jeden Fall die beste Créme Brullé, die ich je gegessen habe. Sagenhaft.
Tag 3 – Der Tag der Bestrafung
Am Morgen starteten wir nach Croissant und Milchcafé in Richtung Menton. Wir wollten ins Meer. Dort angekommen hüpften wir nach ca 130 schönen Kilomotern und einer Durchfahrt durch Nizza, bei der ich sehr froh um mein Navi war, ins Mittelmeer.
Dieses war so pisswarm, das kann man sich kaum vorstellen.
Nach einer guten Stunde Aufenthalt sattelten wir die Pferde um an der Küste in Richtung San Remo zu fahren. Dort sollte es dann wieder in die Berge gehen.
Das Ganze stellte sich als keine soo gute Idee heraus. Wir hätten direkt von Menton aus nach oben fahren sollen. Zwar konnte man sich so mal Monaco von oben ansehen (sau hässlich) aber in San Remo grillte mich meine Ducati bei leckerem Stadtverkehr und 35 Grad plus Sonne. Der Lüfter lief im Dauerbetrieb und meiner Sitzbank hatte dank des wunderschönen Underseatauspuffs geschätze (und ich denke ungelogene) 80 Grad. Mir tat der Arsch weh, weil das Ding ihn grillte. Nun weiß ich wie sich so ein Stück Steak fühlt. Nach ca einer Stunde waren wir dann auch raus und mein Papa warf mir in Triora vor, dass ich ein elendiger Heizer sei. Stimmte für den Moment auch, aber der Sitz musste kalt gefahren werden. Ich hatte echt Schmerzen.
Der Plan war dann von Triora nach La Brigue zu fahren. Ein kleiner Pass sollte das richten. Leider wieder nur Schotter, wie uns 3 deutsche Endurofahrer berichteten. Dies bedeutete 130 Km Umweg. Kein Problem, denn hauptsache der Weg ist toll.
Leider war er dies nur begrenzt. Wir mussten über 3 Pässe. Soweit so gut. Gerne eigentlich. Leider waren die Straßen sehr schmal, die Kurven selbst für ne Supermoto fast zu eng und die Straßen im Arsch. Wir brauchten 4 Stunden für 90 Km und 3 Tage beim Masseur....
Als wir dann im Zielort angekommen waren (Limone im Piemont) brauchten wir dringend ne Bank. Dies erledigte sich dann zum Glück relativ zügig. Nachdem wir feststellten, dass Limone doch ein wenig zu teuer für uns ist fuhren wir weiter. Nach ungefähr 5 Km ausserhalb stellte ich ein Schild am Straßenrand fest. Restaurant, Chamero. Geil. Essen und Pennen. Klingt super nach 11 Stunden Mopedfahren.
Das Schild erwies sich als absoluter Glücksgriff. Es war ein alter Bauernhof im top restauriertem Zustand. Das Zimmer war zwar nicht ganz billig aber das schönste des ganzen Urlaubs. Und das Essen war, obwohl ich mir so sehr eine Pizza gewünscht hatte sehr sehr gut. Es gab ein 6 Gänge Menü, bei dem wir beide auf den Nachtisch verzichten mussten, weil es sehr viel war aber auch super lecker und von sehr toller Qualität.
Tag 4 – Tag der Rückreise
Leider war es an diesem Morgen soweit. Wir mussten ein wenig Kilometer machen, da mein Daddy am Samstag pünktlich daheim sein musste. Wir beschlossen heute (Donnerstag) bis Aosta zu fahren um dann dort zu schauen ob wir noch ne Nacht bleiben oder ob wir die Nacht durchfahren. Freitag Abend oder Mittag ankommen war egal.
Also fuhren wir recht schnell in Richtung Autobahn. Eines war aber klar. Wir wollten noch mal über den „Col de Lys“ der uns zu Beginn der Tour so große Freude gemach hatte.
Also auf die Bahn in Richtung Turin bis nach Rivoli. Leider schlug mal wieder nach ein paar Jahren die 900 SS Königswelle, beim Versuch sie anzukicken zurück. Fehlzündung mit fatalen Schmerzen bei meinem Daddy. Fahren ging noch, anmachen und aufbocken nicht mehr. Dies war nun mein Job. In Rivoli angekommen fuhren wir erneut über den Pass, welcher leider ein wenig im Nebel lag. Meinen Spaß lies ich mir aber nicht nehmen und flutete alle Kanäle. Mit leicht quer rutschendem Hinterrad (provoziert ☺ ) gings den Berg hoch. Ich hatte mal wieder das Gefühl, der Wald hinter mir entlaubte sich. Ein tolles Gefühl. Oben angekommen wartete ich auf Papa. Der brauchte nun ein wenig länger als sonst. Normalerweise lässt der sich trotz seiner nur 65 PS nicht abschütteln. Dies können Armin (Duc-Schmitti) und Ben bestätigen. Sitzt der Mann auf seiner alten Maschine dreht sie Welt sich anders.
Von dort aus ging es erneut nach Lys auf einen Espresso. Leider versuchte Papa es hier nun seine Karre doch selber auf zu bocken und lies sie in meine 916 fallen. Bei mir passierte dank des neu erworbenen Gepäcksystem nix. Sein schöner Höcker kassierte leider einen großen Lackabplatzer.
Naja ab hier machte ich nun die Arbeit zu 100% und so stand sie dann auch.
Auf dem Weg danach lies ich es noch mal so richtig fliegen. Leider mit fast fatalem Ende. Ich übersah unsere Abfahrt, nahm eine andere und blieb mit dem Vorderrad in einem Schlagloch in Radbreite hängen. Der Lenkungsdämpfer rettete alles in letzter Minute, so das ich ohne schlagendes Vorderrad den Notausgang wählen konnte. Zum Glück war nix passiert.
Zwischendrin begegnete mir übrigends auf der Straße ein Ziegenbock. Zuerst dachte ich er wolle mich angreifen und meine schöne Bella kaputt machen. Er überlegte es sich aber zum Glück anders.
Ab da gings dann wieder über die Bahn bis Aosta. Dort angekommen waren wir beide froh, dass alles bis auf den alten Mann heile geblieben war und weder Auto noch Anhänger Opfer eines kleinen Diebes geworden waren. Ich lud die Moppeds auf, während Papa nicht mehr laufen konnte. Prima. In Hannover stellte sich raus, dass er sich wohl die Vene zerstört hatte und aufgrund dieser Tatsache ne Trombose bekommen hatte. Hierbei noch immer gute Besserung Papa.
Wir fuhren wieder in Richtung Heimat. Diesmal ließen wir aber die 26 Euro für die Durchfahrt des Sankt Bernardtunnels aus und fuhren über den Pass. Dauert zwar länger, dafür gibt’s auf der Schweizerseite aber Kühe auf der Straße.
Zuletzt hoffe ich, dass euch mein Bericht gefallen hat und möchte vor allem meinem Daddy sehr danken, für diese schöne Woche. Für mich war es sehr schön dich nach 4 Jahren Motorschaden endlich wieder so glücklich auf deinem Alteisen zu sehen. Hoffentlich darf ich dann bald auch mal wieder fahren.
Auch dank an Ben für Anhänger und das Wissen, dass du dich über jede SMS schwer ärgerst!
So long euer Jones



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