Masters of speed am Lausitzring – Pro Thunder
Am Freitag machte ich mich mit Red Bulli auf den schier endlosen Weg zum über 600 km entfernten Lausitzring. Was für eine Gurkerei!
Naja, ein geiles Rennwochenende bei Super-Wetter würde mich ja dafür entschädigen…
Endlich angekommen, bezog ich im strömenden Regen mein Quartier neben Alex Voigt samt Familie und begrüßte erst mal die ganzen Racer Kollegen wie Franky, Tom, Stefan, Boris samt ihrer Heerscharen von Boxenludern
Meine 916 stand nach dem Sturz in Oschersleben nahezu wieder in voller Pracht im Fahrerlager. Alle Sturzteile waren ersetzt – lediglich die Verkleidung war noch nicht wieder lackiert.
Nach verhältnismäßig wenig Bier ging es früh ins Bettchen.
*SCHEPPER* In aller Frühe wurde ich von einem blechernen Geräusch geweckt und schaute benommen aus dem Fenster. Ach, der Wind hatte bloß den Grill umgekippt. Also weiter pennen.
*SCHEPPERKRACH* und wieder wach… nanu, der Grill lag doch schon. Was ist denn nun noch umgekippt?
SCHEIßE! Meine 916!!! Und unsere Pavillons waren ebenfalls weggeknickt!
Fazit: Kupplungshebel abgebrochen, Tank zerkratzt, neue Fußraste krumm und dazu noch obdachlos.
Und das alles, bevor ich den ersten Meter gefahren bin. Super Urlaub!
Das erste Training im Regen ließ ich frustriert sausen.
Lausitzring und Regen – au Weia… das ist ja alles andere als lustig. Wenig Grip und dazu heimtückische Bitumenkunstwerke sollten das Wochenende zu einer Sturzorgie verwandeln.
Im zweiten Training war es aber dann trocken und ich konnte die ersten Runden drehen. Es war recht kühl und das Mopped schaukelte unter mir wild hin und her. Ich kam mir nicht gerade schnell vor.
Auf der Zeitenliste war ich drittletzter oder so was. Allerdings war ich mit einer 2:00:irgendwas auf Anhieb genau so schnell unterwegs, wie letztes Jahr im Rennen.
Das gab mir dann doch etwas Hoffnung.
Entsprechend selbstbewusster ging ich das letzte Zeittraining an, hatte Franky vor mir und ließ mich eine Weile von ihm ziehen, bis ich mich für den Ausbremser in Oschersleben revanchieren konnte.
Na bitte, geht doch! 1:57 gefahren, 3 Sekunden schneller als vor einem Jahr im Rennen und noch ein paar Stellen im Kopf, wo ich Potential sah. Machte unter dem Strich einen Gesamtplatz 13 und
in der Pro Thunder-Wertung Platz 7 oder 8 (Pro Thunder und ProBEARS starten gemeinsam).
Pokal, ich komme!
Stattdessen kam der Regen! Blitzumfrage bei der Konkurrenz:“Bei Regen fahre ich nicht! Ich bin doch nicht bescheuert und riskiere hier Gesundheit und Material!“ So die einhellige Stimmung.
Ha! Dann kann ich ja auch auf den Start verzichten ohne mein Gesicht zu verlieren!
Wenig später noch mal bei der Konkurrenz auf die Reifen geschaut: Regenpellen! „Och, nööö, wir fahren doch! Halt ganz vorsichtig!“
Na danke! Mir ging der Arsch auf Grundeis und ich hatte einfach ein schlechtes Gefühl. Eine Vorahnung sagte mir, daß etwas passieren würde, wenn ich starte. Sowas hatte ich mal als Kind im Skiurlaub.
Bin damals dann doch gefahren – und im Behandlungsraum wieder zu mir gekommen.
Naja, nützt ja nix und ich sage ja selbst immer:“Wenn man gar nicht erst startet, hat man auf alle Fälle verloren!“
Also Regenpellen drauf und ab zum Vorstart.
Irgendwie scheint meine 916 aber auf mich aufzupassen. Sie nahm mir die Entscheidung ab.
In der Orientierungsrunde sprotzelte sie zunächst, hatte Zündaussetzer und rüttelte mich mit unverhoffter Gasannahme in Schräglage wieder wach.
In der ersten Einführungsrunde wurde es immer schlimmer und ich kam laut knallend und wie ein Känguruh hüpfend auf die Start-Ziel-Gerade, wo Möppi dann ganz aus ging. Also an den Rand schieben, noch mal starten... Bolomprotzspotzbombolomspotzpaffbummpatzpatzpatz… Das war´s! Rennen für mich vorbei, bevor es begonnen hatte.
Ich glaube, das sollte so sein! Gesicht gewahrt und doch kein Risiko eingegangen. Danke, Möppi!
Den Sonntag verbrachte ich mit der Fehlersuche. (Fast) alle Steckverbindungen hatte ich getrennt und trocken gelegt, Kerzen gewechselt, Sprit getauscht, Schaltautomaten mal abgestöpselt. Nun hatte ich echt keine Idee,
warum die 916 immer noch nicht wieder sauber lief. An den Warm-Ups konnte ich also nicht teilnehmen und hatte mich quasi schon entschieden, einzupacken und heim zu fahren.
Ich vermutete ein defektes Steuergerät.
Claus Carstens hatte dann aber im wahrsten Sinne des Wortes die zündende Idee!
Zwei Relais waren an den Anschlüssen stark korrodiert und im Stecker vom Pick-Up war noch etwas Feuchtigkeit. Den hatte ich nicht überprüft! WD40 drauf, trocken und sauber machen.
Bolombolombroaaapbroooaaaarbrooooooop! Wir sind wieder im Geschäft! Yippiiiie! Noch 20 Minuten bis zum Rennen! Also Kombi an und die Bitte an Alex, die Reifenwärmer auf die Slicks zu machen.
Er schaute mich verwundert an:„Slicks? Bei dem Regen?“
Ach Du Scheiße! Ja! Es ist ja alles naß! Und ich habe nur einen Satz Felgen – und darauf waren nun Slicks!
Keine Chance für einen Wechsel! Blick zum Himmel: Es hört auf zu regnen und die Sonne kommt raus!
Aber wie lange würde es dauern, bis die Strecke trocken ist? Und da hinten kommen schon neue, dicke Wolken!
Also doch aufgeben und einpacken… Wie war das noch mal mit dem Rennen und gar nicht erst starten?
Ich entschloß mich, anzutreten. Zumindest wollte ich mir in der Einführungsrunde die Strecke mal ansehen und dann entscheiden. In Gedanken war ich ein Jahr zurück bei Ben.
Er ist damals in der Einführungsrunde mit Slicks auf einer feuchten Stelle bei langsamer Fahrt gestürzt. Schöne Scheiße! Beim Vorstart sah ich einen einzigen Fahrer mit BT 003. Und der wirkte ziemlich verunsichert.
Alle anderen standen auf Regenpellen. Die wiederum waren teilweise verunsichert, als sie meine Slicks sahen. Psychoterror kann ja für alle Beteiligten soooo lustig sein.
So eierte ich vorsichtig über eine halb trockene Strecke in der Besichtigungsrunde. Lediglich in den Kurven war teilweise noch Wasser. Und in den Anbremszonen waren dunkle Flecken. Also überall da, wo ich es
nicht gebrauchen konnte! Super!
Beim Start schlingerte mein Mopped auf feuchter Strecke beim Beschleunigen und ich bremste seeeeeehr früh
die erste Kurve an. Meine recht gute Platzierung war also nach 200 Metern bereits komplett für den Arsch. Und schon bekam ich die ersten Regentropfen auf´s Visier. Einer nach dem anderen überholte mich mit
seinen Regenpellen, bis ich auf dem vorletzten Platz lag. Die Grübelei ging los:“Hmmm, hier fisselt es nur leicht. Wie gut funktionieren Slicks noch auf leicht feuchter Strecke? Soll doch gehen, sagen die auf Eurosport immer!
Aber auch am Lausitzring? Regnet es vielleicht an einem anderen Streckenabschnitt stärker und ich komme ahnungslos auf eine Pfütze zu?“ Also weiter rumschwuchteln, früh und sanft bremsen, wenig Schräglage.
Von der regenbereiften 2-Ventilergurke hinter mir wollte ich mich aber doch nicht mehr überholen lassen und entwickelte Ehrgeiz. Plötzlich überholten mich 2 schnelle Jungs auf Slicks! Hä? Werde ich etwa schon überrundet?
Wo waren die denn beim Vorstart?
Nein! Es waren diese neureichen Siegertypen, die 2 Moppeds haben und die Besichtigungsrunde auf Regenpellen fuhren, um dann aus der Boxengasse auf Slicks zu starten. Und die ließen es ordentlich fliegen!
Ha! Das kann ich auch! Es hörte auf zu regnen und die heiße Sonne trocknete die Strecke von Runde zu Runde mehr ab – bis sie ganz trocken war!
*Switch* Schalter im Kopf umlegen. Und zwar den KILLschalter! Schmidti´s Hirn neu booten im BERSERKERmodus! Jaaaaa! Attackeeee! Nach wenigen Kurven sah ich die ersten vor mir mit ihren schwulen Regenreifen!
Ha! Nun eiert Ihr Weichlinge rum und fleht um Gnade! Ich sauge mich heran und irgendetwas schwarzes prasselt auf mich nieder! Gummiteile von sich auflösenden Stollenreifen! Hergebrannt! Der Executor ist unterwegs!
Ha, nächster! Ihr Lämmer auf der Schlachtbank! Der Sennsenmann naht mit viel Schräglage auf seinem laut brüllenden Roß! Nächster! Die Axt wütet im Wald! Nächster!
Braveheart´s Langschwert kreist durch das Schlachtfeld! Nächster! Geil, geil, geil! Ich bin wieder wer
Das können wir von mir aus jetzt noch stundenlang spielen!
Äh, Mist, wie jetzt? 1 Runde nur noch??? Ach ja! Wet-Race! Um 5 Minuten verkürzt! Mistmistmist!
Am Ende hat die Zeit dann leider nicht ausgereicht, um noch mehr Plätze gut zu machen. Wie ich genau abgeschnitten habe, weiß ich gar nicht. Jedenfalls hat es nicht für die ersten 8 in der Pro Thunder gereicht.
Ich weiß auch heute noch nicht, ob ich mich freuen soll oder über mich selbst ärgern.
Hätte ich von Anfang an mal mehr Druck gemacht, wäre ich womöglich ganz weit vorne gelandet – oder im Kies. Jedenfalls habe ich nicht aufgegeben.
Aus sportlicher Sicht habe ich an diesem Wochenende Schadensbegrenzung betrieben. Nach einem Ausfall im ersten Lauf noch den einen oder anderen Punkt im zweiten Lauf mitgenommen.
Alles in allem war es ein teures und nicht sehr befriedigendes Rennwochenende. But that´s Racing.
Bollergruß,
Armin



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