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Thema: Superbike Birthday - Broken Wings

  1. #1
    Avatar von toddi
    toddi ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard Superbike Birthday - Broken Wings

    ... Ein paar Punkte holen... das war der Plan für das Wochenende am 27. & 28. Juni in Oschersleben. ArtMotor hat zum Superbike Birthday im Rahmen des DMSB Sportbikepokals geladen und der Ruf ist bis nach Zeven durchgedrungen...
    Aber ich will mal vorne anfangen. Nicht wie sonst immer startete ich morgens in der Früh, um den geliebten Weg in die Magdeburger Börde unter die Räder meines Trafic´s zu nehmen, sondern fuhr bereits am Mittwoch Abend. Wieder einmal sollte ich am Donnerstag vor dem Eventwochenende als Instruktor ein paar Schäfchen unter meine Fittiche nehmen. Gleichzeitig dann die Turns dazwischen nutzen um noch ein bisschen an den eigenen Rundenzeiten zu feilen. Gesagt getan... am Mittwoch schon die Box bezogen, einen neuen Aufzynderkollegen kennengelernt, und die ersten Vorbereitungen für den kommenden Tag getroffen.
    Wie immer trafen wir uns nach der allgemeinen Fahrerbesprechung um unsere Gruppeneinteilung in Empfang zu nehmen. Ich hatte fünf Schäfchen auf meiner Liste - davon waren nur vier anwesend. Einer war nicht bei der Fahrerbesprechung und tauchte auch den ganzen Tag nicht auf. Nun, je weniger Schäfchen, umso mehr Spaß lautet die Devise im Allgemeinen. Da auch Nr. vier im ersten Turn nicht auftauchte, hatte ich gleich ab der ersten Runde fast ein wenig sportlichen Spaß an der Instruktorenrunde :-) Die mir zugeteilten Jungs waren schon ganz fix unterwegs und gierten darauf, die meinige Linienwahl und Manöverkritik in Empfang zu nehmen.
    Viel auszusetzen gab es nicht, nur ein paar kleine Tipps. Für den zweiten Turn hatte der Wettergott schon nicht mehr so viel Nachsehen, und streute ein wenig Nass auf den Asphalt. Entsprechend langsam wurden dann auch die instruierten Runden; wir wollen schließlich niemanden im Tiefflug über den Asphalt schicken... eigentlich...
    der Turn verlief gut, die Schäfchen gierten nach mehr... aber erst, wenn´s die Strecke wieder zuläßt...
    Schon während des Turns trocknete die Strecke ab und es überkam mich das Gefühl, ich müßte mal ein paar schnelle Runden für mich selbst drehen. Freie Bahn mit Marzipan heißt es bei den Art Motor Veranstaltungen wenn denn ein gelbes Leibchen den Körper schmückt.
    Ich war also in einer "Rot" Gruppe unterwegs und zog ein paar schnelle Runden. Ein gutes Gefühl stellte sich ein und die Zeiten purzelten. Die :35 ging mir leicht von der Hand und ich hatte Lust auf mehr. Es begann wieder ganz seicht zu nieseln; kaum so, dass sich die Tröpfchen auf dem Visier sammeln konnten.
    Keine Tropfen auf dem Visier bedeutete für meine grauen Zellen sodann auch: Keine Nässe auf dem Asphalt - ich zog also weiter meine Runden. Ein fataler Fehler, wie sich wenige Minuten später rausstellen sollte.
    In der vierten Runde im leichten Nieselregen war´s dann an der Zeit für den Antizynd, sich auf mich zu konzentrieren. Er hatte einen fiesen Plan. Er wollte mich während der Kurvenfahrt überraschen und mir den Grip vom Vorderrad nehmen, genau in dem Moment, der so richtig Spaß macht...
    Ende der Gegengerade, mitten in den ShellEsses sollte es mich packen. Nicht so langweilig beim Anbremsen mit dem Hauch einer Chance der Korrektur gesegnet, nein... inmitten der rasanten Kurvenfahrt zog der Antizynd heftig an meinem Vorderrad. Nun, mein Körper konnte er damit nicht schänden.... zu gering die Höhe aus der ich auf den Asphalt der Börde prallte. Auch die darauf folgende Himmel-Erde- Himmel-Erde-Himmel-Erde-Vorstellung verlief ziemlich unspektakulär - einzig der erhaschte Blick auf das in der Luft kreisende geliebte Gefährt ließ ein Gefühl der Angst durch meinen Körper ziehen.
    Das mulmige Gefühl, welches mir das Schauspiel auf meinem Augenwinkel vermittelte sollte sich umgehend bestätigen. Ich sah mein Moped im Kies liegen, ziemlich verschroben... so hatte ich das eigentlich nicht in Erinnerung. Die Verkleidung paßt eigentlich besser! Und wieso ist da keine Luft mehr auf dem Hinterreifen? Sollte die Felge nicht rund sein... der Drehzahlmesser steht doch normalerweise nicht bei 15.000 U/min., und wieso schaut der Vorderradreifen gen Osten, wenn doch die Ausrichtung der oberen Gabelbrücke auf Norden lautet. Eben war doch noch ein funktionierender Laptimer an dem Motorrad verbaut... und wo soll ich jetzt eigentlich sitzen? Fragen über Fragen... auf die auch die Streckenposten keine Antworten hatten...
    Shit, gestürzt mit Instruktorenweste....das ist blöd dachte ich bei mir und zählte dabei schon die Talers
    für die Instandsetzung zusammen.
    Eigentlich war die Entscheidung gefallen. Ich würde umgehend nach Hause fahren, mich in die Werkstatt begeben... eine Kerze anzünden und ein paar Tränchen ob der Greueltat des Antizynd vergießen. Aber irgendwas in mir nörgelte... "jetzt aufgeben, vergiß es Du Arsch... oder wie du heißt "
    So schmiedete ich bereits auf dem Schandwagen erste Pläne ob es denn wohl möglich wäre den Haufen wieder fahrbereit zu machen.... und es sollte mir gelingen... fast zumindestens...
    Nach der notwendigen Kopfschüttelminute vor dem Trümmerhaufen begann ich mit den ersten Telefonaten. Ronald, mein RFK (Rennfahrerkollege in welttkleinster Ausführung aka "Roter Samurai") hatte seine Ankunft für den Freitag gegen Mittag in Aussicht gestellt und konnte noch in unseren gemeinsamen "Schapp" gucken, welche Teile wohl schon dort hinterlegt waren. Ein wenig geschröpft war dieser schon, weil doch noch zwei Wochen zuvor der Ronald ebenso den Bördeboden nebst Motorrad begutachtet hatte...
    Aber die Aussicht eine Rettungsmaßnahme erfolgreich durchzuführen war gegeben. Also Entschluß am Donnerstag gefaßt: Wiederaufbau in Box 23!
    Den Rest des Donnerstag verbrachte ich dann mit der wildesten Telefoniererei der Motorradszene und nebenbei noch die restlichen Instuktorenturns mit Rocket Ron´s Motorrad absolviert... total erschöpft und mit humpelndem Fuße fiel ich früh in´s Bett. Der Maßnahmenplan für den Freitag war geschmiedet. Morgens zu Holzhauer, die fehlenden Teile besorgen... Rahmenheck und irgendeine Tacho/Drehzahlmessereinheit sollte es sein... den Rest gäbe der "Schapp" her :-)
    Gegen Mittag kehrte ich am Freitag von Holzhauer´ischen Jens zurück. Alle geplanten Teile im Auto und es konnte losgehen. Wir flickten den Hondomaten zusammen, nachdem auch mein RFK zeitnah eingetroffen war.
    Übersehen hatten Jochen und ich am Vorabend, dass die untere Gabelbrücke ebenfalls total verzogen fahr. Shit, so würde die neue Gabel nicht richtig funktionieren können - aber probieren mußten wir´s trotzdem...
    Gegen Abend stand unser Flickwerk, der Motor brabbelte... der Athon GPS zeigte ein Drehzahlsignal... es konnte also losgehen...
    Sitz, Rahmenheck, Felge hinten, Carbonschützer, komplette Verkleigung, Geweihträger, Vorderrad, Gabel und viele viele Kleinteile waren getauscht, vor Ort angepaßt, montiert ... Danke Ronald!!!
    Es konnte also am Sonnabend gefahren werden. Okay, das Vorderrad zeigte wegen der unteren Gabelbrücke immer noch gen Osten bei Nordausrichtung der oberen Gabelbrücke... aber das Leben ist bekanntlich kein Ponyhof... und geritten wird trotzdem!
    Das erste Zeittraining am Samstag lief dann unter Bewegungsfahrt und Rollprobe. Eine 1:36 stand auf dem Rundenzettel und sollte für den Anfang mit einem krummen Motorrad gar nicht sooo schlecht sein.
    Das nächste Zeittraining brachte dann eine weitere Grauhaaransammlung auf meinen Schopf. Ich wunderte mich darüber, dass beim Spannen des Gasgriffes immer ein leichter Rutscher über das Hinterrad kam... so entschloß ich mich dazu einfach mal die Box aufzusuchen und einen Blick auf das Gummi zu wagen. Vielleicht war die Temperatur oder Reifendruck davongelaufen... Wiesel-like sozusagen ;-) Alles gut, sagte mir mein Blick auf den Hinterreifen und ließ mich gleich wieder auf die Strecke durchstarten. Ich sah den RFK und Stefan Mehrkens über die Start-Ziel fegen und dachte mir... das werde ich nutzen und mich ranziehen... das wird gut :-)

    Also hab ich sie vor der Hasseröder vorbeiziehen lassen, noch bis drei gezählt und ebenfalls den Hahn gespannt... doch weniger Meter später die Ernüchterung. Das Heck keilt zur Seite aus, kein Vortrieb mehr... ich zog sofort die Kupplung und rollte in der Triple in Richtung Notausgang. Sitzengeblieben... puhhhh... war der erste Gedanke - dann sah ich das Unheil: Die Mutter der Hinterradachse hat sich verabschiedet und die Achse ist halb aus der Führung gewandert.... Shit, dass hätte böse ausgehen können... Fazit: Selbst schuld Thorsten - sowas kontrolliert man... immer, jeden Tag, nach jedem Einbau - und gerade wenn´s Rad nicht selbst eingebaut worden ist... Shit, Shit, Shit...
    Wieder einmal der Schandwagen für mich... Fahrt Nr. 2 an diesem Wochenende...

    Neue Mutter organisiert... Dicken Dank an Didi! Und dann noch einmal alles in das dritte und letzte Zeittraining gepackt. Schon am Vorstart wunderte ich mich über den Sheriff, der um mein Motorrad wieselte. Wieso starrt der auf meine Reifen?! Egal, konzentriere ich Dich auf die Qualifikation..sage ich mir
    Es geht los, ich versuche ein wenig Druck aufzubauen und ziehe am Kabel... das Vorderrad holpert durch die Hasseröder... Kängurus, oder watt? Gleichsam verhält sich das Vehikel in der Triple... ach egal... Kabel ziehen, Thorsten!...
    Nach einigen Runden geht´s zurück in die Box. Der Sheriff erwartet mich.... "Mit den Reifen kann deine Zeit aber nicht gewertet werden!" Schallt es aus seinem Munde... häääähhhh, wat will der?
    Ein Blick auf die Reifen bringt Klarheit... Nach dem Fastverlust der Achse, habe ich die originalen Felgen von Ronald genommen. Darauf waren noch Dunlop´s vom Bördesprint montiert; und ich starte in der Superbike B...
    Der fünfte Startplatz mit einer 1:35.4 war passé... die Zeit wurde mir aberkannt und ich wanderte auf den zwölften Startplatz. Die Zeit des Vormittagturns war nun ausschlaggebend.
    Nach solch einem Chaostag der Gefühlsduselei nahm ich diese Maßnahme mit einem Mix aus Verständnis und Humor. Ich stellte mich auf meinen Startplatz und hatte nix zu verlieren. War schon alles weg...
    Das Rennen startete und ich kam, trotz der zwei Spuren die meine Mopete in den Schnee machte, ganz gut zurecht. Ich wühlte mich durchs Feld und es begann wieder Spaß zu machen... Endplatz vier sollte es dann werden... Schade... Stefan Mehrkens auf dem dritten hatte ich schon vor Augen... und über ein Podium hätte ich mich unter diesem Umständen natürlich noch mehr gefreut.

    So brauchte ich also für den zweiten Tag einen neuen Schlachtplan. Ich schaute mir nach dem Rennen die Gabel an und sah, dass nur gute drei Zentimeter Restfederweg übrig waren... Ich entschloß mich also dazu die Druckstufe weiter zu öffnen... vielleicht würde das noch weitere Vorteile bringen... gesagt, getan...
    Das erste Warm-Up am Sonntag ließ ich aus... keine Lust - das war wohl der richtig Ausdruck!
    Im zweiten fuhr ich nur im Schwuchtelmodus um den Vorderreifen, den ich noch das zweite Rennen fahren wollte zu schonen - die Gabel rührte sich kaum weiter... also die Druckstufe noch weiter auf...
    So ergab es sich, dass erst im zweiten Rennen auffiel, dass die Veränderung an der Druckstufe das Fahrverhalten in den Kurven nur verschlimmbesserte... noch mehr Hüpftier in der Vorderhand... und ich wollte es doch auch heute wissen....
    Nachdem ich mich schon in den ersten Runden sehr schwer damit tat an den vor mir fahrenden Aspiranten vorbeizukommen, kämpfte ich einige Runden hinter Wolfgang Müller mit den Tücken meines Fahrwerks... den ich im WarmUp noch außen in Turn4 überholen konnte... Die Hasseröder ärgerte mich am meisten, darum entschied ich mich dazu das Motorrad einfach schneller reinlaufen zu lassen um dann auf dem Weg zur Triple an Wolfgang vorbeizugehen... nix war´s... mitten in der Hasseröder mußte ich der Einstellung an der Gabel Tribut zollen. Ich schätze, das Gleitrohr und das Standrohr harmonierten so gar nicht mehr, wenn die Gabel weit einfederte... mein nächster Abflug war das Resultat. Schandwagenfahrt Nr.3 an diesem Wochenende... Das reicht für´s ganze Jahr!!!

    Toddi
    Geändert von toddi (17.07.2009 um 22:25 Uhr)

  2. #2
    Avatar von Ben
    Ben
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    Hey Django,

    toller Bericht. Für mich bist du ein Held. Andere wären nach Hause gefahren. Du fährst von hinten auf Platz 4 mit nem krummen Hondomaten. Ich ziehe meinen Hut in Ehrfurcht.

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