Ein Blogpost aus 07.

Die Saison ist für die meissten Geschichte. Nachdem Bayliss heute in einem grandiosen 2.Rennen in Vallelunga 25 Punkte einsackte fühlte ich mich geradezu inspiriert, eine neue Kleinserie hier im Blog zu starten. Ich erzähle euch was ich in dieser Saison gebaut und gebastelt habe – und was es gebracht hat.

Am Anfang stand da eine 916 SPS im Straßentrimm, etwas verwahrlost mit Schimmel auf der Schwinge durch ein vergammeltes Kaugummi. Dies gehört mit Sicherheit in die Abteilung Kurioses. Nach dem Rennumbau fielen dann ein paar Änderungen an.

Bremssystem
An der SPS war eine Spiegler 8 Kolben Bremsanlage verbaut. Ein cooles System, das optisch richtig was her machte. Zudem war Stahlflex montiert, an dem ein Magura 19×20 Radialzylinder hing. Die Scheiben waren vollschwimmende Gußscheiben, gestoppt durch Ferodo Bremsbeläge. Die Bremsleistung mit der Bremse war gut, linear und gut dosierbar. Über die Scheiben konnte ich nicht meckern. Die Bremsbeläge waren gutmütig, wobei andere diese als zahnlos betiteln würden. Der Einsatz von Sinter- oder Carbonbelägen ist mit Vorsicht zu geniessen und wird abgeraten, da sich die Bremsscheiben mit großer Wahrscheinlichkeit verziehen würden.

Ich habe das System dann komplett gegen eine Brembo P4 34/34 Bremse mit Standardbelägen, Brembo 19×20 Radialbremszylinder getauscht. Die Gußscheiben wichen neuen Stahlbremsscheiben von Alth. Ich testete das System zum ersten mal bei der Sound of Thunder zum Biketoberfest. Der Unterschied machte sich mit den Standardbelägen des Brembosystems schon bemerkbar, war jedoch nicht gravierend anders. Man konnte merken, das die Bremse mehr Biss hatte. Die Brembo Radialpumpe forderte zudem weniger Krafteinsatz vom Zeigefinger. Soweit, so gut, es hatte sich nichts verschlechtert.

In Poznan bekam das Brembo System dann Lucas CRQ Bremsbeläge spendiert. Nach ein paar gefahrenen Turns stellte ich fest, dass die Bremsleistung auf den ersten Blick nicht so brutal war wie ich erwartete. Auf den zweiten Gedankengang dämmerte mir dann, was dort draussen eigentlich wirklich abging. Durch unvorsichtiges Anbremsen hatte ich teilweise mit einem sehr leichten Heck zu kämpfen. Bei gleicher Bremskraft, die an der Pumpe anlag, hob sich bei eben jenen angesprochenen Situationen das Hinterrad zum Gruße. Das bremste also anscheinend wirklich gut. Merklich besser im direkten Vergleich zur Spiegleranlage, was größtenteils auf die Lucasbeläge zurück zu führen sein dürfte. Ich muss ehrlich sagen, es ist eine Erkenntnis, die sich in mir langsam und unterschwellig breit gemacht hat. Im Vergleich zur 1098 Serienbremse, die ich nur ganz kurz auf der Straße bei Seb aka Buongiorno Buongiorno testen durfte, hat die Bremboanlage an der SPS weniger sofortigen Biss, geht sanfter zu Werke, hat dafür aber eine sehr gute Bremsleistung wenn man die Bremspumpe ausquetscht.

Mein Fazit: der Wechsel zur Bremboanlage hat sich gelohnt, da sich die Bremsleistung durch den Einsatz von schärferen CRQ Bremsbelägen erheblich erhöht hat. Der Wechsel von Brembo Gußbremsscheiben auf Alth Stahlscheiben war nur gut, weil ich dadurch die Carbonbeläge nutzen konnte. Das ein Tausch der Scheiben allein einen Unterschied gemacht hätte, glaube ich nicht. Die Brembo Radialpumpe fühlt sich besser an als die Spiegler, das hat sich gefühlmässig ein bisschen gelohnt. Hätte man eine Spieglerpumpe und müsste richtig Kohle für die Brembo auf den Tisch legen, lohnte sich der Wechsel nicht. Die Brembo Bremszangen sind gut und zuverlässig. Der Wechsel von Spieglerzangen auf Brembozangen hat sich nicht deutlich bemerkbar gemacht, beide funktionieren tadellos. Beide Systeme ließen sich zügig entlüften.

Bezüglich der Kosten lohnt sich die Spiegleranlage nur für Fahrer, die von einer schlechteren Bremsanlage auf etwas Neues umsteigen wollen und die Wert auf aussergewöhnliche Optik legen. Eine Zange kostet bei Spiegler 600 gefräste Euro, wobei es die Brembozangen nackt bei Ebay für rund 200 Euro gibt.