Noch ein alter, lesenswerter Blogeintrag für das Ducati Forum.

Ein besonderes Thema, an dem sich viele Aufzynder zerstritten haben, an dem Ehen zerbrochen sind, ein Thema, das Bürgerkriege auslöst. Fahrwerk. Bevor ich die Saison begann, beschäftigte ich mich zum ersten Mal mit diesem heiklen, fast fragilen Thema, dessen Namen, sobald man ihn im Fahrerlager ausspricht komplette Stille verursacht. Man hört eine Stecknadel fallen, Heu weht vorbei, Schweiss tritt auf die Gesichter. Nur Sekunden später geschieht es, das Phänomen. Ein Thema, zehntausend Meinungen. Gut, Grund genug mein Nicht-wissen durch etwas Recherche im Netz zu bekämpfen. Es hat mich einige Anläufe gekostet, bis ich das Thema in seiner Grundlage überhaupt durchdringen konnte. Ich besuchte ein Fahrwerksseminar in Bünde und tat das, was das einzig probate Mittel gegen Gehirnvakuum ist. Runter in die Garage und ausprobieren.

So stellte sich heraus, das ich die ersten Termine mit Shell und KM Training im April mit einem Fahrwerk fuhr, das vorne und hinten nicht passte. Die Gabel war viel zu straff durch die zu harten Federn, das Federbein im Welten zu weich. Nicht als ob ich das irgendwie gemerkt hätte als unerfahrener Möchtegern-Racer.

Ich lies mein Federbein bei Öhlins Rooske in Tynaarlo bei Assen (NL) überarbeiten. Das heisst konkret, Zweitze Rooske verpasste mir eine 85er Feder und reparierte mein leckendes Federbein, das den Stickstoff nicht hielt. Damit bin ich gefahren und nicht auf die Fresse gefallen, wie auch immer das geklappt hat.

So fuhr ich also nach Schleiz, und fuhr das erste Mal mit einem funktionierenden Federbein. Und siehe da, mein Popometer meldete Erfolgreiches zurück über das ganze Wochenende. Das Moped fuhr sich auf einmal so gut, pumpte nicht mehr so, mein Reifenabrieb war 1a. Konnte das wahr sein? Das gab mir an diesem Wochenende soviel vertrauen, das es nur einen Weg gab: schneller verdammt! Die Rundenzeiten purzelten so vor sich hin und auch wenn ich mangels Erfahrung noch ein langsamer A (rot/schnell) Gruppen Fahrer war, fühlte sich das alles extraordinär geil an.

Für mich stand fest, dass meiner Gabel die holländische Magie ebenfalls Zuteil werden sollte. So schickte ich die Showa Beinchen meiner SPS nach Tynaarlo und entführte selbige danach nach Oschersleben zum Biketoberfest. Rooske spendierte der Gabel Öl mit geringerer Viskosität, etwas weichere Federn und einen Shimpaket Umbau.
Zuvor hatte ich in der Triple in Oschersleben immer ein schlechtes Gefühl, was Grip am Vorderrad und meine Gabel anging. Sicherlich nicht berechtigt, dafür war ich zu langsam, aber ich spürte die ganze Saison, dass da was nicht passte. Das war alles zu behäbig, zu steif. Doch zum Biketoberfest war das alles Weg. Die Gabel spricht nun so fein an, das ich weder Probleme mit Chattering, noch schlechtem Abriebbild am Vorderreifen, noch mental Angst hatte mangels Federung einfach irgendwo abzufliegen. Sei es beim reinbremsen in eine Kurve oder beim durch die Triple hacken. Ich war schlichtweg begeistert und zerstäubte meine Bestzeit gleich um 1,5 Sekunden. In Poznan fand ich allerdings 4,5 Sekunden, ohne die Angst das an irgendeiner Stelle mein Fahrwerk nicht mitmachen würde.

Mein Fazit: Diese Modifikation in Sekunden zu messen ist bei meinem Könnensstand relativ, da sich die großen Sprünge in den Rundenzeiten eher auf erfahrene Erfahrung und erweitertes Verständnis zurückführen lassen.

Jedoch waren der Gabelumbau und die Optimierung des Federbeins mit neuem Stickstoff, Öl und passender Feder gepaart mit einer guten Grundabstimmung, die jeder mit ein wenig Geduld selber machen kann, das Beste was ich dieses Jahr für mich und die Ducati gekauft habe. Das alte neue Fahrwerk hat mir soviel Vertrauen gegeben und funktioniert so gut, das dies die Maßnahme war, die sich am stärksten positiv bemerkbar gemacht hat.

Ganz klar gilt hier: Ein individuell optimiertes Fahrwerk bringt am meissten Gegenwert für dein hart verdientes Geld.