Endlos schienen die Stunden zu werden, die ich mit der Jagd nach weiteren Unzulänglichkeiten dieses vemeintlichen Schnäppchens verbrachte. Ich kam mir vor wie Tom Hanks auf der Suche nach dem Freimaurerschatz. Nur weniger Tote und keine vollbusigen Schauspielerschlampen. Die Liste der ausgetauschten, defekten Teile wuchs und meine Geduld zeigte mir desöfteren den dezenten Stinkefinger.
Das war also meine Husqvarna TC570, ein zusammengepfuschter Haufen Mist. Überall am Motor war in endlosen Massen Gehäusedichtung zu finden. Ich schlug mich dennoch durch den Dschungel des nicht anspringen wollenden Irrgartens. Mit Hilfe meiner Aushilfsmachete Heiko schlug ich den Weg zum Anspringen der Husky (im folgenden "Der Hund" oder "Scheisshaufen" genannt) frei. Heiko reinigte für mich meinen Dellorto Vergaser im hauseigenen Ultraschallbad. Der Hund nahm dies wohlwollend zur Kenntnis und lud mich auf eine erste echte Spazierfahrt ein.
Der Verlauf dieser glich einem wahnwitzigen Ritt durch die Elemente. Über Stock und Stein, grasgrüne Berge im Wheelie hinauf, geteerte Bergserpentinen hoch und runter. Eine Wahnsinnsgaudi sag ich heute noch mit einem fetten Grinsen im Gesicht. Die Leistung war völlig ausreichend, die Sicht im einklappbaren Endurospiegel zwei Klassen unter 916 Niveau und meine Innereien waren bei geschätztem Tempo 120 auf Stollenbereifung Entkalkungsmodus durch good vibrations. Aber ich hatte irre Spaß.
Es sollte eigentlich nur eine kurze Runde werden. Kurz, klar, aber wer kennt das nicht. Es war einfach viel zu geil um umzudrehen. Viel zu früh. Meine frei gewählte Route führte mich auf ein Gewitter allererster Sahne zu. Dunkelschwarzer Himmel 10km vor mir, Blitze, die Bäume standen schon schräg. Ich bog ab um mich vor dem Gewitter aus dem Staub zu machen, Fortuna war mir hold. Nur noch 9km bis in die Heimat, ich würde es trocken schaffen dachte ich. Auf die Bundesstraße abbiegend beschleunigte ich Hundi im vierten Gang bis... ja bis...
Wir nehmen uns jetzt alle an den Händen und stimmen ein hohes E an, öffnen den Mund und beginnen mit einem BOOOOAAAAAAA, während wir den Ton zu einem tiefem C auf der Tonleiter absinken lassen. Quasi ein BOOOOAAAAAAAAAaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhh...
Aus.
Hektisch blickte ich nach hinten, sah das Gewitter hinter mir her ziehen. Sicher wr der Sprit alle, ich würde einfach auf Reserve schalten. Hehe, ich Fuchs ich! Doch der Tritt auf den Kickstarter offenbarte mir, das die Vorstellung wohl ohne den Hauptdarsteller Kompression zu Ende gehen würde. Porca miseria - aber doch nisch jetzt! Doch, genau zu diesem Zeitpunkt. Das kurze Ende beschreibt sich in etwa wie: abgeholt worden kurz nach erreichen des Gewitters, Hundi an Notrufsäule an einer Bundesstraße angelehnt, ab nach Hause. Hänger geholt im Gewitter, Arsch zu 3/10 nass, zu Hundi gefahren, in Rekordzeit in miesem Gewitter aufgeladen, Arsch zu 11/10 nass, Hundi verstaut und leise "fick dich" gesagt und nach Hause gefahren.
Am kommenden Tag ging ich auf die Pirsch. Fehlersuche war angesagt. Endlich mal wieder ein Motorrad auseinander bauen, ich hätte kotzen können. Ich wollte doch nur was zum fahren. Ich wollte bitterlich weinen, doch stattdessen schwang ich die Inhalte meines allerorts grünen Proxxon Kasten (ohne Scheiss, der ist an jedem Ort grün).
Tank runter, Seitenpappe ab, Vergaser runter, Luftfilterkasten weg, Kühler ab. Mir graute schon vor dem was da kommen würde. Ich löste die Kopfmuttern und prökelte den Zylinderkopf vom schwedischen Atomreaktor.


LinkBack URL
About LinkBacks
Zitieren














Lesezeichen