+ Antworten
Seite 2 von 4 ErsteErste 1234 LetzteLetzte
Ergebnis 11 bis 20 von 33

Thema: two stroke fever oder: Hurra, wir bauen einen Zweitaktmotor auf!

  1. #11
    Avatar von Ben
    Ben
    Ben ist offline Administrator
    Registriert seit
    06.08.2006
    Beiträge
    10.750

    Standard

    "I got a fever - and the only prescription is more two stroke!"

    Auf der Suche nach einem kompetentem Partner für Ersatzteile und die Zylinderbeschichtung wollte ich zunächst auf die treuen Dienste von Bräuer Motorradsport in Emmerke zurück greifen. Hier hatte ich schon einige Teile bekommen, immer nett und bemüht. Doch bei Hondateilen manchmal mit der Lieferzeit etwas benachteiligt als KTM und Aprilia Vertretung. So fiel meine Wahl auf Brockhausen Racing in Warendorf. Der PDF Katalog offenbarte ein tolles Sammelsurium an Teilen, die ich für meine CR 250 benötigte. Allen voran ProX Kolben mit Bolzen und Ringen sowie ProX Pleuel. Meines Erachtens hatte nämlich das Pleuel erhöhtes Seitenspiel und was noch viel gravierender war, erhöhtes Höhenspiel. Mit meinen laienhaften Fähigkeiten beschloss ich auf Nummer sicher zu gehen und auf die Kurbelwelle ein neues Pleuel verpressen zu lassen.

    Die Begutachtung meines Kupplungskorbes brachte mich zu der Erkenntnis, dass dieser vielleicht noch diesen Sommer halten würde, aber auf Dauer auch gern ein neuer Korb her dürfte.

    Ein Telefonat mit der Firma Brockhausen konnte alle Unklarheiten beseitigen. Wirklich professionell, so wie ich es brauchte als Motornoob. So wurden Kolben + Anbauteile, Pleuel, Kupplungskorb, alle Motorlager und Dichtungen bestellt sowie Kurbelwelle wuchten und neues Pleuel verpressen in Auftrag gegeben. Bevor ich die Kurbelwelle jeoch eintüten konnte, musste diese irgendwie aus ihrem Gehäuse raus.

    Ich besuchte den örtlichen Baumarkt um Werkzeug zu sammeln. Meine ersten Versuche einen geeigneten Kurbelwellenabzieher zu fertigen scheiterten lediglich am mangelhaften Material. Echter Männerstahl musste her und kein geringerer als the unbelievable Günni musste herhalten, um meine Tränen der Verzweiflung zu trocknen. Zusammen spalteten wir das Gehäuse und begossen unseren Triumph mit einer kalten Cola. Hierbei geht ein großes Danke an den heissen Joerg, der die brennenden Zweifel im Spaltungsprozess telefonisch mit Leichtigkeit auslöschen könnte.

    Einen Karton später sagte ich leis "arrividerci" zum Zylinder und kaputten Kolben, den ich vorsichtshalber mit nach Warendorf schickte. Die Gehäusehälfte bekam ein euch sicherlich alter Bekannter: Heide.

    Es begann die große Wartezeit. Ein wahres Abenteuer, wie sollte das nur wieder alles seinen rechten Platz finden? Oh je.

    Wie vertreibt sich der durchschnittliche Powerwheelist die Warterei? Klar, mit Teileshopping. Schlimmer als die Weiber mit ihren Schuhen, könnte man meinen. Bei Jeroen Wiljens aus Holland orderte ich eine neue Birne der Marke DEP, Kupplungsdeckel, Limadeckel, Kleinkram wie Halterungen und Auspuffgummi sowie neue Zylinderkopf- und Zylinderschrauben. Der Versand dauerte leider ca. 6 Wochen aufgrund des Lagerbestands des Limadeckels. Dazu lies die Zuverlässigkeit etwas zu wünschen übrig, was mich etwas unfroh machte. Dafür waren die Preise ganz okay, was aber eine erneute Bestellung nicht zwingend schmackhaft macht.

    So gingen die Tage ins Land, bis eines Tages der DHL Mann an der Tür klingelte.

  2. #12
    Avatar von Ben
    Ben
    Ben ist offline Administrator
    Registriert seit
    06.08.2006
    Beiträge
    10.750

    Standard

    Es war ein sonniger Tag, an dem die Türklingel mit einem fröhlichen "düdelüdelüüüü" den DHL Mann ankündigte. Er brachte das erwartete Paket aus Warendorf, gespickt mit Nettigkeiten und Notwendigkeiten.

    Als da wäre ein neuer Kupplungskorb von PROX für mein Stinktier. Dieser sah nun anders aus als mein originaler. Komisch, ob mein Korb auch wohl schon 20 Jahre hier drin war? Jedenfalls war der originale genietet und der neue wurde verschraubt.

    Alter Korb: von hinten mit dem Zahnrad durch Nieten befestigt


    Schön ist was anderes.


    PROX neu - mit Gewindebohrungen


    Kurzum wurde der Bohrer ausgepackt und die Nieten wurden aufgebohrt.










    Den Innenzahnkranz war ganz schön widerspenstig...

    Die Löcher in der Aluplatte hatte ich leider mit angebohrt. Erschien aber nicht so schlimm, weil man diese einfach umdrehen kann. So liegt diese immer noch plan auf dem Korb auf.

    Trotzdem scheint man besser beraten, die Köpfe der Nieten anzukörnen und anzubohren und den Rest des Kopfes seitlich herunter zu schlagen. Die Löcher sind für die Schrauben des neuen Korbes zu klein, deswegen ist auch der 6er Bohrer im Korbpaket dabei. Diesen nutzt man um die Löcher entsprechend aufzubohren.

    Einige Tage später kam auch schon das Gehäuse von Onkel Heide wieder zurück. Frisch geschweisst mit neuer Mutter.



    Das hiess vor allem eines: es war Backofen-Zeit! Also Gehäuse mit alten Lagern ab in den Ofen, die neuen Lager abends zuvor in das Gefrierfach verfrachtet und los ging es. Das Gehäuse musste man so circa 15 Minuten auf 200° erhitzen, das hatte gereicht. Mit nem dicken Küchenhandtuch bewaffnet nimmt man fix das extrem heisse Gehäuse aus dem Ofen und legt es auf einen geeigneten Untergrund. Achtung, das Ding ist wirklich heiss!
    Die eingekühlten Lager flutschen quasi wie von allein in das Gehäuse. Wichtig im Anschluss: der Frau klar machen, dass das jetzt wirklich unabdingbar war, die ganze Bude zu verpesten und das man natürlich gerne 3h lüften möchte. Sollen die neuen Lager dort nicht einfach so reinflutschen, kann man eine Nuss aus seinem Schrauberkasten nehmen, die ungefähr die Breite des Aussenrings des Lagers hat und dann mit einem Hämmerchen (kein HAMMER ) das Lager nach Hause schicken.

    Ice ice baby




    Nun fein abkühlen lassen, damit innen drin alles schön fest sitzt.

    Ein laues Frühlingslüftchen weht ums Gehäus´




    Das wäre schonmal geschafft. Bliebe ja quasi nur noch das Motorpuzzle
    Geändert von Ben (28.07.2010 um 23:47 Uhr)

  3. #13
    Avatar von Ben
    Ben
    Ben ist offline Administrator
    Registriert seit
    06.08.2006
    Beiträge
    10.750

    Standard

    Zunächst war das Getriebe dran. Davor hatte ich am meissten Schiss. Tausend kleine Tüddelteile und null Plan wie das zu funktionieren hat. Im Endeffekt ist es aber mit Hilfe des Haynes Handbuches und Geduld kein großes Ding. Die Zahnräder passen jeweils nur auf die Antriebswelle oder Nebenwelle, da kann man also schonmal nichts falsch machen. Beim Zusammensetzen muss man aufpassen um die korrekte Reihenfolge der Bauteile einzuhalten. Auch beim Einsetzen der beiden Schafte ist Geduld und Fingerspitzengefühl gefragt. Nachdem ich alles 5 Mal zusammen und auch wieder auseinander hatte - inkl. Block nochmal spalten weil neben dem fertigen Motor eine Unterlegscheibe lag war alles soweit bene. Sah gut aus, ja, alles toll - lies sich aber nicht schalten











    Also wieder auseinander die Kacke. Man war ich aggro. Aber ruhig Blut, das würd schon werden. Ich hatte die Schaltklauen falsch in die Schaltwalze gehängt. Soviel zu Obacht und Fingerspitzengefühl grrrrr.

    Meine 2. große Sorge galt der Kurbelwelle, Wie um Himmels Willen sollte ich die da wieder installieren können? Ganz einfach eigentlich. Lager mit einem Heissluftfön erhitzen und *flutsch* ist das Ding drin. Echt gut und total easy.




    Geändert von Ben (28.07.2010 um 23:48 Uhr)

  4. #14
    Avatar von Ben
    Ben
    Ben ist offline Administrator
    Registriert seit
    06.08.2006
    Beiträge
    10.750

    Standard

    Mit frisch zusammen gebautem Getriebe und installierter Kurbelwelle, die von Brockhausen mit neuem Pleuel verpresst wurde, ging es munter an den Rest. Die Gehäusedichtung musste mal im Bereich Zylinder abknippen. Auf dem Bild ist noch die ungeschnittene. Das hat schon was, son frisch gemachter Motor mit ner neuen Gehäusedichtung. Ja, schön war das.



    Im Anschluss den linken Seitendeckel drauf drauf gelegt und die schnieke Tüte mit den neuen Simmis aufgerissen. Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. Nichts leichter als das. Diese konnte man von Hand installieren. Bei Bedarf kann man hier wieder auf die Hämmerchen und passende Nuss Methode zurück greifen, um die Simmis vorsichtig nach Hause zu schicken.







    Weiter ging es mit der rechten Gehäuseseite. Kickstartermechanismus wurde montiert, Schaltvorrichtung nach Handbuch eingebaut und die Kupplung wieder zusammen gesteckt. Ja, bei Kupplungsfragen schickt mir einfach ne mail an 1000malprobiert@1000malisnixpassiert.de. Oder lieber doch nicht.







    Kleiner Heimwerkertrick am Rande:

    Um zwei Zahnräder zu blockieren nimmt man ein Centstück oder so wie ich ein Kettenglied. Muss nicht von DID sein, aber bitte keins mit Mädchennamen verwenden.





    So war wieder alles zusammen, es war bereits 0:30 Uhr und ich war sehr begeistert. Bis ich dieses kleine Gummi in meiner Kiste ganz allein fand.




    Puls 200, Blutdruck auf max, Halsschlagader kurz vor Überdruck. Ich wollte in diesem Moment etwas zerstören. Ich überlegte kurz, ob ich nicht einfach den verfickten Scheissmotor von der beschissenen Werkbank schmeissen sollte um anschliessend in Wilder Raserei mit einem spitzen Schraubenzieher auf ihn einzustechen, bis ihm die Takte ausgingen. Dies war nicht nur ein fehlendes Bauteil, nein meine Herren, dies war eine Probe meiner selbst. Hier scheiden sich Männer von Jungen, Weicheier von Machern. Ausflippen oder einbauen hiess die Devise.

    Mit verschmierten Händen stapfte ich in meine Bude. "Morgen 8 Uhr Uni" dachte ich. So eine scheisse. Scheisse, scheisse, scheissenscheiss. Ich hatte nur eine vage Idee wo das Teil hin kam. Und diese sagte mir, es gehörte irgendwo zwischen die Gehäusehälften. Ein inniger Blick ins Teilediagramm bestätigte diese Vermutung.



    "Ein Mann muss tun was ein Mann tun muss". Mich selbst am Schopf packend stapfte ich zurück in den Keller. In Rekordzeit zerlegte ich beide Gehäusedeckel, Kupplung, Antriebsrad, Kickstarter, Schaltvorrichtung, spaltete das Gehäuse zum 6. Mal, hielt das in Rede stehende Gummi an die vermeintliche Stelle. Spannung... mit einem saugenden Geräusch rutschte es in seine Führung. Mir war entweder nach Selbstgeisselung oder Selbstgeisselung. Egal, das neue Slash-Album hielt mich wach und meine Laune oben.



    Alles wieder fast forward eingebaut - ét voila, c´est ca!

    Lesen Sie in der kommenden Episode von "Zwei linke Hände lernen Motoren" über das Honda Power Port System, Installation eines Kolben und des Zylinders und das große Ende des Motorprojektes.
    Geändert von Ben (28.07.2010 um 23:48 Uhr)

  5. #15
    Avatar von Danyael
    Danyael ist offline Erfahrener Benutzer
    Registriert seit
    17.11.2008
    Beiträge
    728

    Standard

    Großartig!!!

  6. #16
    Avatar von ROB
    ROB
    ROB ist offline Erfahrener Benutzer
    Registriert seit
    09.01.2009
    Ort
    bei FFM
    Beiträge
    160

    Standard Wichtig ist das (freu!) am Ende

    Danke, danke fürs teilhabenlassen!

    Errinnert mich irgendwie an: spät Abends nach Umbau meiner SS auf FCR (Wat issn nu mit all die Schläuch und Kabeln?) grad noch schnell den leichten Schwung (eigenhändig die scharfen Kanten dauerfestigkeitsoptimiert) einbauen.

    Kurz nach Mitternacht: sssssuuummmrrr......... sssuuuuuuummmmmmrr... (???...!, der Starterfreilauf! Neiiiinnnn!)

    Grrrmmmbl. Seidendeckel wieder abziehen, Schwung weg, Freilauf umgedreht, Dichtmasse wieder abschab (Kotz!). Und wieder ran das Gelump.

    Dann, spät in der Nacht. Stille: sss..sss..ssssirrrr..................sss..sss..ssd ucduc..troommmmm..........duduc..duduc..duduc..dud uc
    Später: ...duduc..duduc...rrooooooompf roooooooooompf roooooooooorrrrrrrrr... (freu!)
    Geändert von ROB (28.06.2010 um 14:26 Uhr)

  7. #17
    Avatar von hendrik_aus_e
    hendrik_aus_e ist offline Erfahrener Benutzer
    Registriert seit
    20.02.2007
    Beiträge
    718

    Standard

    Hey ben,

    dein bericht lese ich erst jetzt. Ich musste mich gleich zurück erinnern wie das mit meinen simson motor war.

    Ich kann dir auch gleich sagen wie es mit dir ausgehen wird ;-)

    Nachdem bei mir alles fertig war, kam das tuning dran ;-) Noch etliche male den motor auseinander. Kanäle bearbeitet, andere und bessere kw sowie hochleistung lager. Luftzufuhr, auspuff, vergaser, zündung geändert und schwups hat ein 50ccm motor doppelt soviel leistung und fährt über 80.

    Es ist eine droge, höre lieber auf damit!!!

    Ah, ich habe ja auch noch einen 250ér Motor. Momentan sind aber andere projekte wichtiger ;-)
    05.06.2010 Motorradausstellung und Motorradausfahrt Etingen

    siehe Link: www.Hendrik-aus-e.de

  8. #18
    Avatar von Ben
    Ben
    Ben ist offline Administrator
    Registriert seit
    06.08.2006
    Beiträge
    10.750

    Standard

    Zitat Zitat von ROB Beitrag anzeigen
    Danke, danke fürs teilhabenlassen!

    Errinnert mich irgendwie an: spät Abends nach Umbau meiner SS auf FCR (Wat issn nu mit all die Schläuch und Kabeln?) grad noch schnell den leichten Schwung (eigenhändig die scharfen Kanten dauerfestigkeitsoptimiert) einbauen.

    Kurz nach Mitternacht: sssssuuummmrrr......... sssuuuuuuummmmmmrr... (???...!, der Starterfreilauf! Neiiiinnnn!)

    Grrrmmmbl. Seidendeckel wieder abziehen, Schwung weg, Freilauf umgedreht, Dichtmasse wieder abschab (Kotz!). Und wieder ran das Gelump.

    Dann, spät in der Nacht. Stille: sss..sss..ssssirrrr..................sss..sss..ssd ucduc..troommmmm..........duduc..duduc..duduc..dud uc
    Später: ...duduc..duduc...rrooooooompf roooooooooompf roooooooooorrrrrrrrr... (freu!)
    Hahaha, ja genau so. Alles zusammen und nix geht. Voll ätzend. Aber wenn es denn dann läuft, ach wat is dat geil.


    Zitat Zitat von hendrik_aus_e Beitrag anzeigen
    Hey ben,

    dein bericht lese ich erst jetzt. Ich musste mich gleich zurück erinnern wie das mit meinen simson motor war.

    Ich kann dir auch gleich sagen wie es mit dir ausgehen wird ;-)

    Nachdem bei mir alles fertig war, kam das tuning dran ;-) Noch etliche male den motor auseinander. Kanäle bearbeitet, andere und bessere kw sowie hochleistung lager. Luftzufuhr, auspuff, vergaser, zündung geändert und schwups hat ein 50ccm motor doppelt soviel leistung und fährt über 80.

    Es ist eine droge, höre lieber auf damit!!!

    Ah, ich habe ja auch noch einen 250ér Motor. Momentan sind aber andere projekte wichtiger ;-)
    Bohhh ey wenn ich bei dem Ding mal an tuning denke tun mir die Arme schon weh Bist schonmal son Ding geritten? Das macht den Stuhl hart und die Augen schielen unwillkürlich beim Gas geben. Oh weh oh weh, tuning, sei still mein liebes Herz!

  9. #19
    Avatar von Ben
    Ben
    Ben ist offline Administrator
    Registriert seit
    06.08.2006
    Beiträge
    10.750

    Standard

    Das große Finale, welches mehr ein kleines darstellte, kam schneller als Signore Secundo (kleiner Insider am Rande ).

    Der Motor sah wie folgt aus. Der Block war zusammen, jetzt musste der Zylinder drauf und der Rest wie Kolben, Kopf und Pleuellager installiert werden. Vorher sollte ich mich aber an die tolle Erfindung mit dem Namen Honda Power Port machen. Das HPP System ist eine drehzahlabhängige , mechanische Einrichtung zur Veränderung der Auslasskanalgröße. In unteren Drehzahlen versperren zwei kleine Schranken ca. 1/4 des Auslasskanals. Steigt die Drehzahl, öffnen sich diese Schranken vertikal und der Auslass erreicht seine volle Größe. Das bringt Fahrbarkeit und Drehmoment im unteren Drehzahlbereich. Gerade Fahrbarkeit ist ein wichtiger Faktor, denn sonst würden dir alle ahndgezählten 249 Kubikzentimeter so dermaßen in den Arsch treten, dass dir hören, sehen, Muttersprache und die Erinnerung an Pamela Andersons Silikontitten abhanden kommen. Also besser einbauen und pflegen. Gepflegt hat es mein lieber Vorbesitzer nicht, weswegen ich euch gerne 20 Jahre alten Antikschmodder präsentiere.

    Hier sieht man gut, dass das HPP vorne am Zylinder jeweils seitlich sitzt.


    Lecker I


    Lecker II


    Der bedingungslose Einsatz von Bremsenreiniger, einem Lappen und Fett machten aus dem hässlichen BP Bohrlochopfer einen schönen Schwan, ready to rock and roll. Auf dem folgenden Bild sieht man eine der Schranken, wie sie in ihre Führung installiert wird.





    Anschliessend musste der Öffnungsweg ausgemessen werden. Daten hierzu findet man im Haynes Handbuch. Eine riesige Hilfe.



    Im Anschluss wurde noch die andere Seite gereinigt und wieder installiert. Das Prozedere war gleich.

    Isch liebe neue Dichtüngen



    Jetzt ging alles reichlich fix. Dank der fehlenden Steuerkette und den nicht existenten Ventilen, die ein Viertakter nun gebracht hätte. Ich installierte endlich den neuen Kolben und verwendete hierzu einen neuen Kolbenbolzen, neuen Sprengring und ein neues Pleuellager. Wenn schon, denn schon.





    Block zusammen, Kolben drauf, klar, fehlt nur noch der Zylinder mit dem frischen Honda Power Port. Der Zylinder sollte zur Montage mit Öl eingeschmiert werden, damit man alles flutschi zusammen stecken konnte. Ich dachte im Vorfeld, man müsste ne Kolbenringzange zur Hand haben um den Kolben in den Zylinder zu bekommen. War natürlich Quark, geht auch händisch, da der Zylinder unten breiter war als bspw. in der Mitte. Die Kolbenringe musste man einen nach dem anderen in den Zylinder schieben. Eine Hand drückte den Ring zusammen und mit der anderen hebelte man vorsichtig den Zylinder über den Kolben. Hierbei war zu beachten die Kolbenringe nicht mit den Öffnungen übereinanderliegend zu installieren. Manche Kolben haben Markierungen für die Ringe, andere nicht. In einigen Handbüchern wird geschrieben, dass man die Ringnuten 90° oder 180° versetzt installiert. Wären die Ringnuten direkt übereinander, so würde Kompression verloren gehen. Macht Sinn, denn die Luft kann ohne weiteres durch die Ringnuten am Kolben vorbei strömen. Die Ringe bedurften ebenfalls einer bestimmten Einbaurichtung. Oben auf den Ringen war eine kleine Markierung, die - naja wie soll ich sagen... - oben markierte

    Zack bäm!



    So kam das Projekt zu einem Ende. Ich riss noch schnell ein paar Umweltverschmutzertüten auf, in denen sich niegel nagel neue Kopfmuttern befanden. Ohhh wie schön sie glänzten, ahhhh ohhh ahhhh...




    Et voilá, hier ist er. Mein 1. selber revidierter Motor.



    Auf diesem Bild fehlte noch eine Wasserpumpendichtung. Der graue Polraddeckel ist nun rot (Danyael, VHT Lack ...). Eingebaut und gefahren habe ich ihn noch nicht. Vielleicht in 2 Wochen. Ich bin gespannt, hoffentlich machts nicht "peng" und die Büchse ist schrott

    Vielen Dank fürs Lesen und für die Kommentare. Die sind nämlich die Motivation sowas hier zu dokumentieren. Vielleicht konnte ich mit diesem Beitrag den einen oder anderen motivieren, selbst einmal Hand anzulegen an einen Motor. Und hoffentlich konnte ich euch zeigen, dass man mit ein bisschen Mut, Werkzeug, einem WHB und dem www auch als Laie sowas bauen kann. Im Endeffekt ist das alles keine Raketentechnik, auch wenn es als Ganzes so erscheint. Betrachtet man die Bauteile im Einzelnen ist vieles schlüssiger und einfacher. Und im Endeffekt schlagen nicht viele Dinge das Gefühl, etwas wie dieses einzubauen, aufzusitzen und den roten Knopf respektive den silbernen Kicker zu treten.

    Ich verneige mich und verbleibe, mit schmutzigen Fingern,

    Ben
    Geändert von Ben (28.07.2010 um 23:50 Uhr)

  10. #20
    Avatar von hendrik_aus_e
    hendrik_aus_e ist offline Erfahrener Benutzer
    Registriert seit
    20.02.2007
    Beiträge
    718

    Standard

    Super Bericht!!!! Jeder Mann sollte im Leben mindestens einen Motor revidieren.
    05.06.2010 Motorradausstellung und Motorradausfahrt Etingen

    siehe Link: www.Hendrik-aus-e.de

+ Antworten
Seite 2 von 4 ErsteErste 1234 LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43